Wieso es sich lohnt, dreist zu sein

Initiativbewerbung

Sollten Sie schon länger zu meinen Lesern gehören, wissen Sie, dass ich Initiativbewerbungen für ein wirksames Mittel bei der Stellensuche halte. In meinen Gesprächen mit Bewerbern spüre ich aber immer wieder, dass viele Kandidaten an dieser Meinung zweifeln.

Vor einigen Tagen bin ich mit einen jungen Mann ins Gespräch gekommen, der sich nicht viele Gedanken über das „für“ und „wieder“ gemacht hat.

Er hat es einfach getan!

Und damit Erfolg gehabt!

Hier sind seine Erfahrungen:

„Da ich aktuell in diesem Unternehmen meine Masterarbeit schreibe und auch plane mich dort zu bewerben, werde ich an dieser Stelle keine Namen nennen. Aber seid versichert, dass es sich um eine der größten und bekanntesten deutschen Firmen handelt.

Vor ca. einem Jahr war ich auf der Suche nach einer Möglichkeit, meine Abschlussarbeit in der Wirtschaft zu schreiben. Einfach um Erfahrung zu sammeln. Am besten mit einem Praktikum davor, um sich einzuarbeiten. Immerhin fehlte mir als Mathematiker bisher die praktische Erfahrung.

Dann bekam ich ein Buch in die Hand, in der verschiedene Personen aus Wissenschaft und Wirtschaft Artikel zu dem wahrscheinlich aktuell populärstem Thema der Gegenwart veröffentlichten: Industrie 4.0

Da jeder der Autoren seine Email Adresse mit veröffentlichte, dachte ich mir: „Hey, wieso nicht einfach anschreiben? Anscheinend wünschen sie sich sogar Kommunikation, wieso sollte die Email sonst dastehen?“ Also schrieb ich spontan oben erwähnte Personen umgehend an. Ich erwähnte mein Studium, meine Vertiefungen, mein Interesse, fragte ob allgemein eine Masterarbeit möglich wäre, einfach ob er mir entsprechende Kontaktdaten geben konnte. (Anmerkung: das war 8 Uhr abends)

2 Stunden später bekam ich eine Mail von einem Personalchef (eines Konzernbereiches). Ich soll bitte meine Bewerbungsunterlagen schicken. Wie jetzt, so schnell?? Google starten. Anscheinend habe ich einem Vorstandsmitglied geschrieben. Ok… Nachtschicht. Bewerbungsunterlagen überprüfen, aktualisieren. Gründlich wie noch nie zuvor. Schnellstmöglich antworten. Wurde direkt zu der entsprechenden Abteilung weitergeleitet.

Eine Woche später stand ein Termin für ein Vorstellungsgespräch. Welches direkt in der Abteilung stattfand, die ortsansässigen Personaler wussten von meiner Existenz anscheinend nichts bis der Vertrag zu unterschreiben war. Und das Gespräch lief auch eher so, dass es nicht groß zur Debatte stand, ob ich genommen werde oder nicht, eher wo ich eingesetzt werde (solange ich wenigstens einen normalen ersten Eindruck hinterlasse). Es wurde sogar darüber gescherzt (wobei es ernst gemeint rüber kam), dass der Name vom entsprechendem Vorstand fallen gelassen werden sollte, falls die Personaler Zweifel haben.

Nun sitze ich hier, arbeite gerade 3 Monate als Werkstudent in Vollzeit, mein Thema für meine Thesis steht schon fest. Ich lerne unglaublich viel, besonders da von mir keine „sinnfreien“ Tätigkeiten wie Kaffeekochen erwartet werden. Ich hab ständig eins, zwei kleine Projekte und kann mich bereits auf meine Abschlussarbeit vorbereiten. Das Team ist einfach nur super, z. Bsp. (abgesehen natürlich vom Abteilungschef) stand das „Sie“ nicht einmal zur Debatte. Jeder geht sofort auf jede Frage ein die ich gerade habe und dank eines dualen Studenten konnte ich sogar Vorträge von allen Abteilungsbereichen genießen und mich so ganzheitlich über die verschiedenen Arbeitsbereiche informieren.

Was immer mich auch vor einem Jahr geritten hat, es war das Beste was mir passieren konnte. Und wo kann ich mich bedanken? Bei meiner optimistischen Grundhaltung, meinem Interesse mich auch Fächerübergreifend weiterzubilden und einfach meiner Dreistigkeit, einer Person zu schreiben, die wahrscheinlich wenn überhaupt eher auf Korrespondenz mit Experten gehofft hat. Und den Leuten die davon beeindruckt waren und mir so eine Chance gaben.“

Da der junge Mann noch als Werksstudent tätig ist, möchte er seinen Namen und den des Unternehmens nicht  öffentlich machen.

Bei gegenseitigem konkreten Interesse stelle ich aber gern den Kontakt zwischen Ihnen und dem Autor her.

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