Wie die Profis erst zum Arzt?

Wie die Profis erst zum Arzt?

Vor einigen Tagen, genauer am 31. August, wurde mit medialem Getöse das „Transferfenster“ für die aktuelle Bundesligasaison geschlossen. In diesem Zusammenhang liest man häufig, dass ein Vertragsabschluss noch von einer gesundheitlichen Untersuchung des Fussballprofis abhängig ist. Niemand ist über so einen Vorbehalt verwundert. Zumal man schnell bei dem Gedanken ist : „Für das Gehalt würde ich mich auch untersuchen lassen!“.

Wie  sieht es aber im „normalen“ Leben aus.

Kann ein zukünftiger Arbeitgeber einen Vertragsabschluss von einer Einstellungsuntersuchung abhängig machen?

Kurze Antwort vorab:

Ja und nein 

In welchen Fällen trifft das „JA“ zu?

  1. Bei Jugendlichen unter 18 Jahren: Gemäß dem Jugendarbeitsschutzgesetz dürfen diese nur dann beschäftigt werden, wenn sie innerhalb der letzten 14 Monate von einem Arzt untersucht wurden. Dem Arbeitgeber muss eine von diesem Arzt ausgestellte Bescheinigung vorliegen.
  2. Eine Reihe von festgeschriebenen Tätigkeiten erfordern Einstellungsuntersuchungen:
  • Arbeitnehmer mit Umgang mit Gefahrenstoffen oder Strahlenbelastung (z.B. für Röntgenassistenten)
  • Beschäftigte mit besonderer Verantwortung für andere (z.B. Lokführer, Piloten, Busfahrer, Ärzte)
  • und Beamte (da scheint der Arbeitgeber Staat auf Nummer sicher gehen zu wollen)

Die Berufsgenossenschaften haben für eine Vielzahl von Berufen arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung definiert. Man erkennt sie in der Literatur am großen „G“ und einer nachfolgenden Nummer. Ein recht bekanntes Beispiel ist die „G 25“ (Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung für Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten).

Spezielle Eignungsvorbehalte können sich auch aus Unfallverhütungsvorschriften (UVV) ergeben, so für Bediener von:

  • Kranen
  • Flurförderfahrzeugen
  • und Feuerwehren

Soviel zu den Fällen, bei denen Sie als zukünftiger Arbeitnehmer eine Einstellungsuntersuchung nicht ablehnen können.

In allen anderen Fällen können sie „NEIN“ sagen

ABER:

Weigern Sie sich, an der Einstellungsuntersuchung teilzunehmen, riskieren Sie womöglich, nicht die gewünschte Stelle zu bekommen. (Das kann ein weiterer Grund neben dem AGG sein, dass Arbeitgeber sich bezüglich Ihrer Entscheidungsfindung nicht „in die Karten schauen lassen“).

Ich muss aber auch anmerken, dass Arbeitgeber ein berechtigtes Interesse daran haben,

  1. gesunde Mitarbeiter zu haben und
  2. ihre Mitarbeiter nicht „sehenden Auges“ für eine Stelle einzusetzen, der sie gesundheitlich nicht gewachsen sind.

Um bezüglich einer geforderten Einstellungsuntersuchung von Beginn an ein faires Verhältnis zwischen den Vertragspartnern herzustellen, müssen beide Seiten Ihre Rechte und Pflichten kennen. D.h., als Arbeitgeber sollten sie informieren bzw. als Arbeitnehmer sollten Sie wissen:

Wie läuft die Einstellungsuntersuchung ab?

  • Was sind die Bestandteile des Checks (Untersuchung von Herz, Lunge, Leber, Blutdruck- und Pulsmessung, Laboruntersuchung von Blut und Urin, um Entzündungen, Zuckerkrankheit oder Leberkrankheiten festzustellen, Seh- und Hörtest.)? Diese Bestandteile müssen einen Bezug zur angestrebten Tätigkeit haben.
  • Unzulässig sind genetische Untersuchungen
  • sowie Drogen- und Alkoholtests (es gibt in der Rechtssprechung die Ausnahme, dass bei: „vernünftiger, lebensnaher Einschätzung sei eine ernsthafte Besorgnis begründet ist, dass eine Abhängigkeit des Arbeitnehmers vorliegt“).

Wer darf die Untersuchung durchführen?

Arbeitgeber werden die Einstellungsuntersuchung durch den Betriebsarzt durchführen lassen wollen, da dieser die Anforderungen an den zu besetzenden Arbeitsplatz am besten kennt. Der Arbeitgeber trägt dann auch die Kosten der Untersuchung. Sollten Sie aber auf den Arzt ihrer Wahl bestehen, müssen Sie ggf. die Kosten selbst tragen.

Was sind zulässige Fragen, welche dürfen nicht gestellt werden?

Wahrheitsgemäß müssen Sie beantworten:

  • Liegt eine Krankheit bzw. eine Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes vor, durch welche die Eignung für die vorgesehene Tätigkeit auf Dauer oder in periodisch wiederkehrenden Abständen eingeschränkt wird?
  • Leiden Sie an einer ansteckende Krankheit, die zwar nicht Ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtigt, aber eine Gefährdung für die Kollegen darstellt?
  • Ist zum Zeitpunkt des Antritts des Arbeitsvertrages oder in absehbarer Zeit mit einer Arbeitsunfähigkeit zu rechnen (z.B. eine geplante Operation, eine bevorstehende Kur oder akute Erkrankung?

Unzulässig hingegen sind Fragen nach:

  • Schwangerschaften
  • Vorerkrankungen, Krankheiten der Eltern und nach persönlichen Gewohnheiten, die nichts mit dem Arbeitsplatz zu tun haben.

Wie ist mit dem Ergebnis der Einstellungsuntersuchung zu verfahren?

Der Arzt darf dem Arbeitgeber nur das Ergebnis der Untersuchung mitteilen, d.h. ob ein Bewerber „geeignet“, „nicht geeignet“ oder „geeignet unter bestimmten Voraussetzungen“ ist. Einzelne Befunde dürfen nicht mitgeteilt werden (es sei denn, der Arzt wird von seiner Schweigepflicht entbunden). Die Untersuchungsbelege bleiben beim Arzt und gehören nicht in die Personalakte.

Zur Sicherheit hilft es zu wissen:

Betriebsärzte unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht, sind bei Anwendung ihrer Fachkunde weisungsfrei und in keinerlei betriebliche Hierarchien eingebunden.

Lieber  Bewerber, wenn Sie die „Hürden“ Betriebsrat und Einstellungsuntersuchung genommen haben, steht Ihrem Arbeitsantritt nun wirklich nichts mehr im Wege!

Denken Sie aber auch bei aller Freude über die neue Stelle daran: Ganz sicher sind Sie im neuen Unternehmen erst nach absolvierter Probezeit angekommen!

PS Nachdem der Artikel schon erschienen war, habe ich einen Beitrag zum Gesundheitszustand von Mitarbeitern gesehen. Ich verrate nur soviel: die Jugend kommt dabei nicht gut weg. Verständlich, dass Arbeitgeber Einstellungsuntersuchungen anwenden:

„Deutsche Azubis sind häufiger krank als Senioren“
http://www.mdr.de/mdr-aktuell/video295782.html (Dieser Link ist inzwischen leider inaktiv)

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