Warum sollten Sie nicht nur die Seite 1 lesen?

Warum sollten Sie nicht nur die Seite 1 lesen?

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Sie als Bewerber sind davon abhängig, dass Unternehmen neue Jobs schaffen. Nur wenn neue Stellen entstehen, können Sie sich darauf bewerben.

Schon im September des vergangenen Jahres hatte ich einen Artikel darüber geschrieben, aus welchen Quellen die Kandidaten von den neuen Stellen erfahren können. Dazu zähle ich auch in Zeiten des Internets die gute alte Zeitung. Wer etwas moderner klingen möchte, studiert heutzutage die „Printmedien“.

Schauen Sie aber nicht nur auf die ausgeschriebenen Stellen im Anzeigenteil. Von einem aktiven Bewerber erwarte ich, dass er sich generell für die wirtschaftliche Entwicklung in der Region interessiert, in der er nach Arbeit sucht.

So haben Sie die Möglichkeit, durch Ihr Netzwerk und Initiativbewerbungen schon aktiv zu werden, bevor die klassische Stellenausschreibungen gestartet werden. Im besten Fall entsteht, jetzt wieder modern ausgedrückt, eine win-win-Situation:

Sie erhalten eine neue Stelle und müssen sich nicht gegen viele andere Bewerber durchsetzen.

Das Unternehmen hingegen kann die Kosten für die Ausschreibung und das Auswahlverfahren sparen.

Nicht selten erlebe ich leider, dass eine ungenaue Berichterstattung mehr Probleme verursacht als sie Nutzen stiftet. Mit einem Beispiel aus der vergangenen Woche will ich das veranschaulichen.

Ich genieße es, am Samstagmorgen in Ruhe nach dem Frühstück die Zeitung zu lesen. Auf Seite 1 der „Sächsischen Zeitung“ sehe ich eine sehr erfreuliche Meldung:

100 neue Arbeitsplätze entstehen

Meldung 100 neue Jobs in Dresden

Meldung 100 neue Jobs in Dresden

Da ich ein gründlicher Leser bin und mich sehr für das Thema interessiere, folge ich dem Hinweis auf den Wirtschaftsteil.

Artikel 100 Jobs ausführlich

Artikel 100 Jobs ausführlich

Dort muss ich erfahren, dass zunächst nur 15 neue Arbeitsplätze entstehen. Erst in 3 bis 4 Jahren könnten 100 bis 200 zusätzliche Arbeitsplätze aufgebaut werden.

Was stört mich an dieser Art der Berichterstattung?

A) Bei Bewerbern werden falsche Hoffnungen aufgebaut.

Wer nicht zu den Auserwählten, den ersten 15 Mitarbeitern zählt, für den sind 3 Jahre eine sehr lange Zeit.

Auch habe ich schon erlebt, dass Bewerber in ihren Aktivitäten nachlassen. „Da kommt doch bald der neue Arbeitgeber mit den vielen Arbeitsplätzen, da muss ich nur auf die Anzeige warten.“

B) Auch für die Firmen entsteht kein Nutzen.

Natürlich, die Aufmerksamkeit wurde geweckt.

Was passiert aber auch: In der Regel schwappt eine erste Welle von Initiativbewerbungen über die Unternehmen. Häufig sind sie nicht darauf vorbereitet und können den Bewerbungsstapel nicht (schnell genug) abarbeiten. Und schon haben die Firma einen schlechten Ruf unter den Bewerbern: „Da brauchst Du dich gar nicht zu bewerben, die antworten nicht einmal!“

C) Es wird nur über Zahlen geschrieben.

Früher wurde das einmal als „Tonnenideologie“ bezeichnet – je größer die Zahl, umso besser.

Ich lese nur sehr selten etwas über die fachlichen Anforderungen an die Bewerber. Im konkreten Beispiel, nehme ich an, werden vor allem Qualifikationen aus dem MINT-Bereich gebraucht (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Der Freistaat Sachsen verweist recht gern auf Erfolge in diesem Bereich. Die Ausbildungsstellen und Studienplätze in diesem Bereich werden aber nicht gerade von Bewerbern überrannt.

Interessant fand ich, dass der Mitgründer, Herr Wilhelm Zörgiebel, im Pressegespräch auch meine Meinung vertrat. Er wollte erst das Unternehmen entwickeln und dann mit den Zahlen der neuen Arbeitsplätze an die Öffentlichkeit gehen.

Eine vergleichbare sachliche Haltung konnte ich auch am vergangenen Donnerstag auf der „futureSAX-Innovationskonferenz“ erleben.

Alle Gründer, mit denen ich gesprochen habe, betonten, dass Sie Zeit für ihre Ideen brauchen. Erst müssen sie am Markt erfolgreich werden. Dann entstehen die Arbeitsplätze von allein.

Ich würde mir daher von den Journalisten wünschen, nicht nur über die großen Zahlen zu berichten. Die moralische Unterstützung der Unternehmer auf ihrem steinigen Weg zum Erfolg wäre viel wichtiger.

PS: Mit zwei jungen Gründern habe ich mich für August verabredet. Wir wollen prüfen, ob sich Ihre Geschäftsidee mit meinem Dienstleistungsangebot der Bewerberberatung verbinden läßt.

Ich bin schon auf das Ergebnis gespannt. Natürlich werde ich an dieser Stelle darüber berichten.

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