Videointerview 2.0

Videointerview 2.0

Ich hatte schon in meinem Artikel „Der Durchbruch – eine Einladung zum Telefoninterview“ daraus hingewiesen, dass Unternehmen  zunehmend Telefon- und Videointerviews führen. Die Personalverantwortlichen wollen damit eine treffgenauere Vorauswahl erreichen. Nach dem Studium der Bewerbungsunterlagen wird dadurch eine weitere „Trichter-Tüte“ zwischengeschaltet, um den Kreis der Kandidaten einzuengen.

Dabei ist das Videointerview natürlich dem Telefonat überlegen.

Der Recruiter kann danach besser einschätzen:

  • Wie ernst nimmt der Kandidat das Bewerbungsverfahren?
  • Wie sicher ist seine Körpersprache?
  • Wie überzeugend kann der Bewerber (in diesem Fall sich selbst) präsentieren?

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Vorteil für den zukünftigen Arbeitgeber:

Er kann das AGG, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, „umschiffen“. Die auswählende Person erhält den gewünschten optischen Eindruck. Sollte dieser Eindruck nicht den Vorstellungen entsprechen, kann schon an diesem Punkt „unbemerkt“ der Bewerbungsprozess beendet werden.

Zugleich eröffnen sich aber auch für Sie als Bewerber große Chancen:

Sollten Sie bisher nur als „B-Kandidat“ eingestuft worden sein, können Sie an dieser Stelle mit einem überzeugenden Auftritt so manchen „A-Kandidaten“ überrunden.

Ich selber habe in meiner Vermittlungspraxis gern auf das Videointerview zurückgegriffen. Natürlich arbeite ich auch bei den Onlineberatungen mit meinen Klienten stark an deren „Live-Auftritt“.

So weit – so bekannt.

Warum habe ich aber den Artikel mit „Videointerview 2.0“ überschrieben?

Ich habe in den letzten Tage eine interessante, neue Form des Videointerviews kennengelernt. Eine tolle Idee und für beide Seiten sehr effektiv:

Sie als Kandidat sprechen nicht mit einer realen Person. Sondern Sie werden dazu eingeladen, zu einem Ihnen passenden Termin mit einem „Automaten“ zu sprechen. Faktisch ist das ein „Video-Anrufbeantworter.“

Der gesamte Auftritt war sehr professionell gestaltet. Das Unternehmen sendet den Bewerber einen Link zu. Damit konnte ich mich in eine sehr übersichtliche Bedieneroberfläche einwählen. Zuerst wurde ein Test der Kamera und des Mikrophons sowie der Internet-Verbindung durchgeführt. Nachdem die Technik für „gut“ befunden wurde, konnte mich ich an Beispielfragen testen. Ich konnte selbst entscheiden, wann ich mit dem „scharfen“ Interview beginnen möchte.

Der Vorteil für das Unternehmen wie den Bewerber:

Mühsame Abstimmungen für einen gemeinsamen Termin entfallen. Sie als Bewerbungskandidat können das Interview zu jeder Ihnen passenden Zeit führen.

Nutzen Sie dazu einen Zeitpunkt, an dem Sie sich frisch und ausgeruht fühlen. (Wenn Sie einen „Eule“ sein sollten, kann das auch 22:30 Uhr sein).

Der Recruiter dagegen kann zu dem ihm passenden Zeitpunkt die Auswertung durchführen. Wie ich meine Fachkollegen kenne, werden sie die Ergebnisse in aller Ruhe miteinander vergleichen. Sie können so die Reaktion auf die einzelnen Fragen und deren Beantwortung nacheinander zwischen den Kandidaten vergleichen.

Apropos Fragen:

Ich fand sehr positiv, dass diese kein standardisierter „Einheitsbrei“ waren. Die Fragen bezogen sich ganz konkret auf die ausgeschriebene Position. Daher nehme ich an, dass für jede der zu besetzenden Positionen des Unternehmens ein eigener Satz von Fragen entwickelt wird.

Was empfand ich als die größte Herausforderung?

Das war für mich das Sprechen mit der Machine. Ich bin es gewohnt, mit Menschen von Angesicht zu Angesicht zu kommunizieren. An deren Reaktionen erkenne ich, ob meine Aussagen zu lang oder zu kurz sind. Ich merke, ob ich die Intentionen des Fragenden treffe oder ob ich „nachsteuern“ muss.

Dieses Feedback entfällt beim „Videointerview 2.0″. Sie „kämpfen“ nur mit Ihrem Videobild und der Uhr. Sie glauben garnicht, wie wenig Zeit z.B. 1:30 Minuten für die Darstellung der eigenen beruflichen Entwicklung sind.

Deshalb mein Rat:

Sollte Sie eine Einladung zu solch einem Videointerview erhalten, machen Sie dieses nicht „so nebenbei“. Beginnen Sie nur, wenn sie keine Zeitdruck haben und sich erholt fühlen.

  • Kleiden Sie sich wie zu einem Vorstellungsgespräch!
  • Suchen Sie sich einen professionellen Hintergrund!
  • Beseitigen Sie alle Störungen (Telefone, Rasenmäher im Hintergrund, …)!
  • Informieren Sie Ihre Angehörigen im Haus bzw. in der Wohnung, dass Sie jetzt aus keinen Fall gestört werden dürfen!

Nutzen Sie unbedingt die Probeaufnahmen, um sich mit der sehr ungewohnten Gesprächssituation vertraut zu machen. Sollten bei Ihrem Partnerunternehmen solche Proben nicht angeboten werden, dann üben Sie eigenständig mit einem ihnen zur Verfügung stehenden Video-Programm!

Eines kann ich Ihnen versprechen:

Sie werden nie zufrieden sein. Deshalb müssen Sie an einem Punkt entscheiden -> „Jetzt gehe ich an den scharfen Start!“

Viel Erfolg dabei!

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