Und, wie war ich?

Und, wie war ich?

Und, wie war ich?

Eine typische Frage, die mir immer wieder gestellt wurde, wenn ich Kandidaten nach dem absolvierten Vorstellungsgespräch zum Ausgang begleitete.

Ich glaube, die Wenigsten erwarteten eine (ehrliche) Antwort, aber sie wollten es wenigstens probiert haben.

Das Sie als Bewerber keine Einschätzung Ihres Auftretens erhalten, hat zum einen die Ursache in dem von mir schon beschriebenen Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Kein Unternehmen möchte Ihnen einen Klagegrund wegen Nichteinstellung liefern.

Zum anderen ist zum Zeitpunkt oft keine Aussage möglich, da noch weitere Bewerber Ihre Chance erhalten.

Ihr Erfolg beruht nicht nur auf Ihrer Leistung.

Auch die Stärke oder Schwäche Ihrer Mitbewerber entscheidet darüber, ob Sie im Kandidatenkreis verbleiben.

Es ist nicht üblich, sich innerhalb der Auswahlkommission sofort tiefgründig über den gerade erlebten Bewerber zu verständigen. In der Regel tauscht man kurz einige Eindrücke aus und bittet dann den nächsten Bewerber zum Gespräch. Ich finde, dieses Vorgehen ist fair, es gleicht die Chancen zwischen den einzelnen Personen aus.

Erst nachdem sich alle Kandidaten präsentiert haben, kommt die Stunde der Entscheidung.

Anhand der Aufzeichnungen verständigen sich die Gesprächsteilnehmer zu ihren Eindrücken zu jedem der Bewerber. Dabei bewerten sie sowohl die fachliche Eignung, die erlebte soziale Kompetenz und den persönliche Eindruck.

Häufig ist man sich schnell einig. Ich habe aber auch schon Situationen erlebt, bei denen die Entscheider sehr lange miteinander gerungen haben. Wie oft bei wichtigen Entscheidungen im Leben (und eine Personalentscheidung zähle ich dazu) vertagte man sich dann auf den kommenden Tag. Eine Nacht „darüber schlafen“ hilft.

Das Ergebnis der Gesprächsauswertung lässt sich in drei typische Fälle einteilen:

Fall 1, für Sie am angenehmsten:

Sie haben geglänzt, Ihre Mitbewerber haben nicht annähernd Ihre Ausstrahlung erreicht. Sie haben fachlich überzeugt und die „Chemie“ hat gestimmt. Sollte dies der Fall sein, erhalten Sie oft noch am gleiche Abend die frohe Botschaft – man möchte zweites Gespräch mit Ihnen führen.

In diesem Fall können Sie sich nur noch selbst im Weg zum Erfolg stehen!

Fall Nummer 2:

Mehr als einer der Kandidaten konnte überzeugen. Auch im zweiten Gespräch werden Sie also im Wettbewerb stehen.
Das Vorteilhafte an dieser Konstellation kann sein, dass das Unternehmen auf keinen der Kandidaten verzichten möchte. In diesem Fall bietet man einem der Bewerber eine ähnlich gelagerte Position an.

Geben Sie also immer Ihr Bestes, es kann sich auszahlen!

Fall Nummer 3:

Keiner der Bewerber konnte die Erwartungen erfüllen.

In diesen Fall überdenkt das Unternehmen sein weiteres Vorgehen:

A) Eine weitere Runde von Vorstellungsgesprächen wird angesetzt. Dazu greift man auf vorliegende Bewerbungen zurück, die z.B. aus terminlichen Gründen nicht anreisen konnten. Manchmal hatte man die „Qual der Wahl“ und lud nicht alle geeigneten Bewerber ein. Ich habe Fälle erlebt, bei denen ein „B-Kandidat“ seine Chance nutzte und überzeugen konnten.

B) Man sucht nach neuen „Quellen“ in der Kandidatenansprache. Das kann für den Personaldienstleister heißen, dass er an diesem Punkt seinen Auftrag verliert.

C) Eine fehlgeschlagene Bewerberrunde kann aber auch Anlass für das Unternehmen sein, die Stelle grundsätzlich zu überdenken:

  • Gibt es am Arbeitsmarkt überhaupt die gesuchte Person?
  • Wenn ja, ist das Unternehmen so attraktiv, dass man solche Leistungsträger an sich binden kann? (Bezahlung, Lage, Aufstiegschancen ….?

Das Ergebnis solcher Überlegungen kann sein, die Stelle ganz zu streichen oder umzuwidmen.

Praxistipp:

Geben Sie immer Ihr Bestes!

Selbst wenn Sie nicht die Stelle erhalten – Sie bleiben als Persönlichkeit in Erinnerung.

Vielleicht spricht man Sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder an? Es ist auch schon vorgekommen, dass der ausgewählte Kandidat in der Probezeit scheitert. Dann bekommen Sie Ihre Chance.

Und: die Welt ist klein, Netzwerke sind wichtig – man empfiehlt Sie möglicherweise weiter.

Viele Unternehmen wollen die Ergebnisse des ersten Gespräches durch zusätzliche Tests absichern.

Ich habe in meiner Praxis einige Male erlebt, dass Kandidaten die Teilnahme an Auswahlverfahren abgelehnt haben. Das ist eine schwierige Entscheidung, die jeder mit sich selbst ausfechten muss. In der Regel schließen Sie sich damit aus dem weiteren Bewerbungsverfahren aus. Um gleiche Bedingungen zwischen allen Kandidaten zu sichern, können die Unternehmen keine Sonderregelungen für Einzelne zulassen.

Der aufregende Tag des Vorstellungsgespräches ist für Sie aber noch nicht beendet.

Sie können jetzt nichts mehr ändern, aber für die Zukunft Ihre Lehren ziehen.

Fahren Sie am erst mal vom Hof, dann suchen Sie sich einen ruhigen Platz. Nehmen Sie Stift und Zettel und beantworten sich folgende Fragen:

  • An welchen Stellen sind Sie ins Stolpern gekommen?
  • Welche Widersprüche hat man bei Ihnen aufgedeckt?
  • Bei welchen Fakten haben Sie gemerkt, dass Sie Ihre Gesprächspartner nicht überzeugen konnten?
  • An welchen fachlichen Fragen sind Sie gescheitert?

Beantworten Sie sich aber auch die Frage:

Wie haben Sie das Gespräch und die Atmosphäre im Unternehmen insgesamt empfunden? (Lesen Sie dazu nochmals „Vorstellungsgespräch Teil I“)

Ist das der Arbeitgeber, nach dem Sie gesucht haben?

Würden Sie wirklich gern die Stelle antreten oder wären Sie einfach froh, einen Job zu bekommen?

Und notieren Sie sich die Fragen, die Ihnen im Nachgang einfallen – für das Zweitgespräch.

Dazu dann in der kommenden Woche.

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