Was suche ich?

wohin? - verschiedene Wege

wohin? – verschiedene Wege

In meinem Beitrag „Wie tickt die andere Seite“ habe ich dargestellt, welche Überlegungen in den Firmen einer Stellenausschreibung vorangehen. Genauso gründlich sollten Sie vor einem beabsichtigten Arbeitgeberwechsel nochmals innehalten und sich gründlich über die eigenen Karriereziele klar werden. Das hilft Ihnen nicht nur dabei, effektiver in Ihren Bemühungen um eine neue Arbeitsstelle zu werden. Mit der richtigen Fokussierung werden Sie als Bewerber ausstrahlen, dass Sie ein klares Ziel haben und für die neue Aufgabe brennen werden. Sie werden sich auch im Prozess wohler fühlen und merken, das Sie besser „rüberkommen“.

Nichts ist schlechter für Ihre Verhandlungsposition, als wenn man Ihnen anmerkt, dass Sie irgendetwas suchen, Hauptsache einen Job. Auch hier gilt der Spruch, den Sie bestimmt schon aus Schulungen kennen:

„man kann nicht nicht kommunizieren“

Der Entscheidung, sich um eine neue Stelle zu bemühen, gehen in der Regel zwei Gründe voraus.

A) Aufgrund von Krisen, drohender Insolvenz, Stellenabbau, Umstrukturierungen oder ähnlichen Ereignissen droht Ihnen eine Kündigung.

B) Schlechte Führungstätigkeit, Missstimmungen (Mobbing?) im Team, zu geringe Bezahlung, fehlende Möglichkeiten der fachlichen Entfaltung, mangelnde Aufstiegschancen usw. lassen den Entschluss in Ihnen reifen, das Unternehmen verlassen zu wollen.

Nebenbei gesagt, sollten Arbeitgeber sich zunehmend damit auseinandersetzen, solche Tendenzen zu erkennen und diesen rechtzeitig entgegenzuwirken. Da sich die Lage am Arbeitsmarkt deutlich entspannt hat, fassen Mitarbeiter eher den Mut, die Initiative zu ergreifen und aus den oben genannten Gründen zu kündigen. Wer die Mitarbeiter dann einfach ziehen lässt, ohne nach den Ursachen zu forschen, ist mittelfristig schlecht beraten.

Wenn Sie als Bewerber so konsequent wie beschrieben handeln, dann haben Sie vielen Wettbewerben am Arbeitsmarkt schon eins voraus – Sie sind eine entschlossene Person und nehmen Ihr Schicksal in die eigene Hand, denn:

Egal was Sie zu einer Bewerbung ermutigt. Sie sollten solch eine Situation immer auch als Chance begreifen. So wie kein Mensch unersetzlich ist, gibt es auch nicht das ideale Unternehmen. Selbst wenn Sie sehr lange in einer Firma, in einer Branche tätig waren – eine Umorientierung öffnet Ihnen neue Horizonte, wird Sie bereichern und voranbringen.

Ganz wichtig ist, dass Sie sich rechtzeitig auf die Stellensuche begeben. Rechtzeitig heißt, am besten bei den ersten Anzeichen von Unzufriedenheit oder der Gefahr einer Kündigung. Die ersten Schritte werden Ihnen leichter fallen, „es geht ja noch um nichts“. Fehler und Misserfolge werden Sie weniger belasten und helfen Ihnen, Lehren zu ziehen für die Zeit, wenn es „ernst wird“.

Sie werden erstaunt sein, wieviel lockerer Sie in Vorstellungsgespräche gehen. Ihre Fragen, eventuelle Forderungen bis hin zu den Gehaltsverhandlungen werden Sie unverkrampfter und offensiver vertreten. Sie sollten auch einmal probieren, sich auf Stellen zu bewerben, die Sie interessieren, für die Sie sich nach der „Papierform“ aber für nicht qualifiziert genug halten. Denken Sie dabei auch an Initiativbewerbungen. Keiner wird Ihnen das übelnehmen, sondern man wird Sie mit Ihrem  Interesse und Ihrer Initiative eher als eine interessante Persönlichkeit einschätzen. Vielleicht bietet man Ihnen auch eine Position an, von der Sie nicht wussten oder an die sie gar nicht gedacht haben.

Wenn Sie sich dann entschlossen haben, mit Ihrem Bewerbungsvorhaben zu starten, nehmen Sie sich in einem ersten Schritt Zeit und Ruhe, vielleicht auch ein Blatt Papier zur Hand. Sie sollten sich folgenden Themen durchdenken und dabei die Fragen beantworten:

 

Ihre aktuelle Situation
  • Was gefällt mir fachlich an meiner Tätigkeit?
  • Wie zufrieden bin ich mit meinen Vorgesetzten?
  • Wie ist der Kontakt und die Zusammenarbeit mit meinen Kollegen?
  • Habe ich das Gefühl, dass meine Leistungen und meine Anstrengungen anerkannt zu werden?
  • Kann ich in meiner Funktion authentisch sein oder muss ich mich verstellen?
Ihre Rahmenbedingungen
  • Was habe ich für finanzielle Verpflichtungen?
  • Wie schätze ich mein Zeitbudget ein, stehen zeitlicher Aufwand und Verdienst in einem Verhältnis?
  • Habe ich genug Zeit für Familie, Freunde, Hobbys?
  • Kann ich genügend für meine Gesundheit tun?
Ihre Zukunft
  • Was sind meine persönlichen Ziele für die nächsten Jahre?
  • Was will ich im Beruf erreichen?
  • Will ich die Karriereleiter weiter hinaufsteigen? Wenn ja – soll es eine fachliche Karriere sein oder strebe ich eine Führungsrolle an?
  • Wie wichtig sind mir Statussymbole (Titel, Dienstwagen, Vorzimmer …)?

 

Ein sehr guter Test, um schnell ein erstes Gefühl für Ihre eigene Situation zu erhalten, ist die Sonntagabend-Frage:

„Schauen Sie mit Freude auf die kommende Woche oder beschleicht Sie schon ein ungutes Gefühl, wenn Sie nur an den Montagmorgen denken?“

Selbst wenn Sie solch eine persönliche Bilanz in der Vergangenheit schon einmal gezogen haben sollten, tun Sie das in Ihrer aktuellen Situation nochmals. Im Verlauf des Lebens verschieben sich Ihre persönlichen und beruflichen Schwerpunkte. So können z.B. finanzielle Verpflichtungen wegfallen. Bei vielen Menschen bekommt die Faktoren Zeit und Lebensqualität ein höheres Gewicht. Manch einer kommt zu der Erkenntnis, dass das Erklimmen immer neuer Stufen der Karriereleiter einen zu hohen Preis für ihn bedeutet. Oder man merkt, dass die Zeit für das, was man immer schon einmal tun wollte, immer knapper wird.

Wenn Sie sich nach allen diesen Überlegungen sicher sind, wo Ihr „Zielpunkt“ liegt, dann ziehen Sie gedanklich konzentrische Kreise darum. Der Mittelpunkt entspricht inhaltlich und räumlich Ihren Idealvorstellungen. Dort setzen sie an und suchen nach möglichen Stellenangeboten. Lesen Sie dazu nochmals im Beitrag „Wo finde ich meinen Traumjob?“ nach.

Wenn Sie merken, dass Sie keinen Erfolg haben, dann müssen Sie auf die weiter entfernten Kreise ausweichen. Wenn dies notwendig ist, machen Sie immer einen Abgleich, wie realistisch Ihre Idealvorstellungen waren. Und Sie müssen die Kompromisse mit sich verhandeln. Ist es Ihnen z.B. wert, einen täglichen Arbeitsweg von 2 x 1,5h für die gewünschte Position in Kauf zu nehmen? Wenn nein – dann verabschieden Sie sich von dieser „Traumstelle“. Oder ist die Tätigkeit für Sie so wichtig, dass Sie dafür einen Wohnortwechsel vornehmen werden?

Zu diesem Thema ein kurzer Einschub aus der Arbeitgebersicht: Unternehmen sind sehr skeptisch, wenn Bewerber zu lange Arbeitswege auf sich nehmen wollen. Meist merkt man im Vorstellungsgespräch an den Reaktionen und an der Körpersprache, ob bei einer entsprechenden Nachfrage wirklich ein Wohnortwechsel beabsichtigt wird. Wenn Sie hier nicht überzeugen, sind Sie an diesem Punkt „aus dem Rennen“.

Zum Abschluss noch ein Tipp, in welcher Reihenfolge Sie Ihre ersten Bewerbungen abarbeiten sollten:

Starten Sie nicht mit Ihrem absoluten Traumjob bei Ihrem Top-Arbeitgeber. „Üben“ Sie erst bei Stellen und Arbeitgebern, die Ihnen nicht ganz so wichtig sind. Wenn Sie dann einmal bei 2-3 Vorstellungsgesprächen eingeladen waren, analysieren Sie sich und Ihren Auftritt gründlich und gehen mit diesen Erfahrungen an Ihre Top-Bewerbung. Denn

„Scheitern ist keine Option“

 

Über das Verhalten im Vorstellungsgespräch und ihre nachfolgende Selbstanalyse werde ich noch in einem späteren Blogbeiträgen schreiben. In der kommenden Woche ist wie angekündigt die Gestaltung des Lebenslaufes, der berühmte „CV-Check“, das Thema des Blogs.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche, sprechen Sie mich bei Fragen ruhig direkt an! Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare, nutzen Sie dazu die Felder unterhalb des Beitrages!

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