Silberlöffel oder Nahkämpfer?

Silberlöffel oder Nahkämpfer?

In der vergangenen Woche hatte ich mich schon in den Advent verabschiedet. Ich möchte aber einen Artikel außer der Reihe nachreichen.

Im letzten Jahr hatte ich darauf aufmerksam gemacht, dass auf den TED-Konferenzen sehr inspirierende Vorträge gehalten werden. In dieser Woche bin ich auf den Vortrag „Why the best hire might not have the perfect resume“ von Regina Hartley aufmerksam geworden. Sie ist Personaldirektorin bei UPS. Sie spricht zu einem Thema, welches mir auch sehr am Herzen liegt:

Wie sollte ein guter Personalmanager Lebensläufe lesen und werten?

  • Sind die Karrieren ohne Ecken und Kanten mit ausgezeichneten Schulabschlüssen die beste Wahl für die Unternehmen?
  • Oder können die Bewerber mit „unrunden“ Lebensläufen größeren Nutzen für die Unternehmen stiften?

Was das mit „Silberlöffeln“ und „Nahkämpfern“ zu tun hat? Schauen Sie sich den Vortrag an:

Nachfolgend meine Übersetzung:

„Ihr Unternehmen startet eine Suche nach einer offenen Position. Die Bewerbungen treffen ein, und die qualifizierten Kandidaten werden identifiziert. Jetzt beginnt die Auswahl.

Person A: Elite, 4.0, makellosen Lebenslauf, tolle Empfehlungen. All das Zeug.

Person B: staatliche Schule, ganze Menge Job-Hopping, und Gelegenheitsjobs wie Kassierer und singende Kellnerin.

Aber denken Sie daran – beide sind qualifiziert. Also ich frage Sie: Wen werden Sie nehmen?

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Meine Kollegen und ich haben verallgemeinernde Begriffe geschaffen, um die zwei unterschiedliche Kategorien von Kandidaten zu beschreiben.

Wir nennen eine „der silberne Löffel,“ derjenige, der offensichtlich Vorteile hatte und für den Erfolg bestimmt wurde.

Und wir nennen B „die Scrapper,“ – „die (Nah)Kämpfer“: derjenige, der gegen enorme Gewinnchancen zu kämpfen hatte, um auf den gleichen Punkt zu kommen hatte.

Sie haben es gerade gehört, ein Personalchef bezieht sich auf Menschen wie „Silberlöffel“ und „Nahkämpfer“ –

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(Gelächter)

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die nicht gerade politisch korrekt sind und ein wenig verurteilend klingen. Aber bevor meine „Personalzertifizierung“ widerrufen wird –

01:34

(Gelächter)

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lassen Sie mich erklären.

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Ein Lebenslauf erzählt eine Geschichte. Und im Laufe der Jahre habe ich etwas über Menschen, deren Erfahrungen sich wie ein Flickenteppich lesen, gelernt. Ich halte inne und versuche alles in vollem Umfang zu berücksichtigen, bevor ich ihre Lebensläufe verwerfe.

Eine Reihe von Gelegenheitsjobs kann auf Inkonsequenz, Mangel an Konzentration, Unberechenbarkeit hindeuten.

Oder er kann einen engagierten Kampf gegen Hindernisse zu signalisieren. Zumindest, verdient das Scrapper ein Interview.

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Um es klar zu sagen, ich habe nicht etwas gegen die „Silberlöffel“; Einstieg in und Abschluss an einer Eliteuniversität braucht viel harte Arbeit und Opfer. Aber wenn Dein ganzes Leben in Richtung Erfolg führte, wie wirst Du dann mit den schwierigen Zeiten umgehen? Eine Person, die ich angestellte, hatte das Gefühl, weil er an einer Elite-Universität studiert hatte, gab es bestimmte Aufträge, „die unter ihm“ waren. Wie zeitweise manuelle Arbeit zu erledigen, um eine Operation besser zu verstehen. Schließlich kündigte er.

Aber auf der anderen Seite, was passiert, wenn Ihr ganze Leben zum Scheitern verurteilt ist, und Sie dann tatsächlich Erfolg haben?

02:56

Ich möchte Sie bitten, die „Scrapper“ zu interviewen. Ich weiß eine Menge über das, weil ich bin ein „Scrapper“. Bevor ich geboren wurde, wurde mein Vater mit paranoider Schizophrenie diagnostiziert, und er konnte einen Job trotz seiner Brillanz nicht halten. Unser Leben war ein Teil „Kuckucksnest“ ein Teil „Awakenings“ und einen Teil „A Beautiful Mind“.

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(Gelächter)

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Ich bin das vierte von fünf Kindern, von einer alleinerziehenden Mutter in einer rauen Nachbarschaft in Brooklyn, New York großgezogen. Wir besaßen nie ein Haus, ein Auto, eine Waschmaschine, und die meiste Zeit meiner Kindheit hatten wir nicht einmal ein Telefon. So war ich sehr motiviert, die die Beziehung zwischen Unternehmenserfolg und „Scrappers“ verstehen, weil mein Leben hätte leicht ganz anders verlaufen können. Als ich erfolgreiche Geschäftsleute traf und die Profile der High-Power-Führer las, bemerkte ich einige Gemeinsamkeiten.

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Viele von ihnen hatten frühe Entbehrungen erlebt, es gab viel Armut, Verlassenheit, Tod eines Elternteils, während noch jung waren; Lernstörungen, Alkoholismus und Gewalt. Das herkömmliche Denken war, dass Trauma zu Not führt, und es ist schon eine Menge Aufmerksamkeit auf die resultierenden Funktionsstörungen gelegt. Aber während des Studiums der Funktionsstörungen offenbarten die Daten eine unerwartete Erkenntnis:

daß selbst die schlimmsten Umständen zu Wachstum und Wandel führen können.

Ein bemerkenswerter und eingängig Phänomen ist entdeckt worden, Wissenschaftler nennen es „Post Traumatic Growth“ – „Posttraumatisches Wachstum“.

04:46

In einer Studie, die die Auswirkungen des Unglücks auf Kinder in Gefahr untersuchte, wurde eine Gruppe von 698 Kindern untersucht, die schwere und extreme Bedingungen erlebt hatten. Ein Drittel von ihnen wuchs auf, um ein gesundes, erfolgreiches und produktives Leben zu führen. Trotz allem und gegen die enormen schlechten Wahrscheinlichkeiten, gelang es ihnen. Ein Drittel.

05:14

Nehmen Sie dieses Lebenslauf. Die Eltern dieses Jungen gaben ihn zur Adoption frei. Er beendet nie das College. Er betreibt recht viel Job-Hopping, geht auf ein Jahr nach Indien. Und um allem die Spitze aufzusetzen, hat er Legasthenie.

Möchten Sie diesen Kerl einstellen?

Sein Name ist Steve Jobs.

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In einer Studie über die weltweit sehr erfolgreichen Unternehmer, stellt sich heraus, eine unverhältnismäßig hohe Zahl von ihnen hat Legasthenie. In den USA hatten 35 Prozent der untersuchten Unternehmer Legasthenie. Was ist bemerkenswert – jene Unternehmer, die das „posttraumatische Wachstum“ erleben, sehen ihre Lernbehinderung als wünschenswerte Schwierigkeiten. Sie sehen sie als einen Vorteil, weil sie bessere Zuhörer geworden sind und  mehr Liebe zum Detail entwickelt haben. Sie glauben nicht, dass sie trotz aller Widrigkeiten geworden sind, was sie sind. Sie wissen sie, sie sind, weil sie mit diesen Widrigkeiten kämpfen mussten. Sie begrüßen ihr Traumata und Nöte als Schlüsselelemente dafür, was sie geworden sind. Und sie wissen, dass ohne diese Erfahrungen, sie nicht die Muskeln und das Stehvermögen entwickelt hätten, was benötigt wird, um erfolgreich zu werden.

06:37

Einem meiner Kollegen veränderte sich sein Leben komplett als Folge der chinesischen Kulturrevolution im Jahre 1966. Als er 13 Jahre alt war, wurden seine Eltern aufs Land umgesiedelt waren die Schulen geschlossen und er blieb allein in Peking, musste für sich selbst sorgen. Als er 16 war, bekam er einen Job in einer Bekleidungsfabrik. Doch statt sein Schicksal zu akzeptieren, entschloss er sich, die er seine Ausbildung fortzusetzen. Elf Jahre später, als sich die politische Landschaft verändert, hörte er von einer hochselektiven Hochschulaufnahmeprüfung. Er hatte drei Monate Zeit, um den gesamten Lehrplan der mittlere und High School zu lernen. So, jeden Tag kam er nach Hause von der Fabrik, machte ein Nickerchen, studierte bis 4 Uhr morgens, ging wieder an die Arbeit und wiederholt diesen Zyklus jeden Tag für drei Monate. Er tat es, und er hatte Erfolg. Sein Engagement für seine Bildung war unerschütterlich, und er hat nie die Hoffnung verloren. Heute hält er einen Master-Abschluss, und seine Töchter haben jeweils einen Abschluss von der Cornell und Harvard.

07:54

„Scrappers“ werden von der Überzeugung angetrieben, dass die einzige Person, über die Sie volle Kontrolle haben, sie selbst sind. Wenn die Dinge nicht gut ausgehen, fragen „Scrappers“: „Was kann ich anders machen, um ein besseres Ergebnis zu schaffen?“ Scrappers haben einen Sinn dafür, das alles seine Zweck hatte, sich nicht selbst aufzugeben, in der Art, wie Sie Armut überlebt haben, einen verrückten Vater und mehrere Überfälle. Problem im Geschäft? –

08:24

(Gelächter)

08:25

Wirklich? „Kinderkram (Ein Stück Kuchen). Machen wir doch!“

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(Gelächter)

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Und das erinnert mich – Humor. „Scrappers“ wissen, dass Humor sie durch die schwierigen Zeiten bringt, und Lachen hilft Ihnen, Ihre Perspektive zu wechseln.

08:39

Und schließlich gibt es Beziehungen. Menschen, die Widrigkeiten überwinden, tun dies nicht allein. Irgendwo auf dem Weg finden sie Menschen, die das Beste in ihnen hervorlocken und die an ihrem Erfolg beteiligt sind. Sie haben jemanden, auf den sie zählen können, egal was für ein Problem zu überwinden ist. Ich hatte Glück. In meinen ersten Job nach dem College hatte ich kein Auto. So war ich ein einer Fahrgemeinschaft  über zwei Brücken mit einer Frau, welche die Assistentin des Präsidenten war. Sie beobachtete meine Arbeit und ermutigte mich, mich auf meine Zukunft zu konzentrieren und nicht in meiner Vergangenheit zu verweilen. Auf meinem Weg traf ich viele Menschen, die mir ein brutal ehrliches Feedback gegeben haben. Mir mit Beratung und Mentoring zur Seite standen. Diese Menschen haben sich nicht daran gestoßen, dass ich einmal als singende Kellnerin arbeitete, um das College zu bezahlen.

09:35

(Gelächter)

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Ich werde Sie mit einem letzten, wertvollennn Einblick verlassen. Unternehmen, die Vielfalt und die inklusive Praxis verpflichtet sind, neigen dazu Scrappers unterstützen. Sie übertreffen vergleichbare Unternehmen. Nach DiversityInc, eine Studie über ihre Top-50-Unternehmen für Vielfalt, übertreffen diese die anderen S & P 500-Unternehmen um 25 Prozent.

10:03

Also zurück zu meiner ursprünglichen Frage. Mit wem werden Sie die Wette gewinnen: „Silberlöffel“ oder „Scrapper“? Ich sage, wählen Sie die unterschätzen Anwärter, deren Geheimwaffen Leidenschaft und Entschlossenheit sind.

10:21

Stellen Sie „Scrapper“ ein.

10:23

(Applause)“

 

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