Ist die Stelle noch offen?

Ist die Stelle noch offen?

„Ist die Stelle noch offen?“

Ein „Klassiker“, wenn Bewerber den telefonischen Kontakt zum ausschreibenden Unternehmen suchen. Immer wieder hat der engagierte Kandidat gelesen, er solle anrufen, um seine Chancen zu erhöhen.

Trifft das zu?

Wenn Sie so wie oben beschrieben Ihre Frage stellen, dann trägt das nicht zwangsläufig zur Steigerung Ihrer Chancen bei:

  • zu platt,
  • zu einstudiert,
  • keine persönliche Note.

Und wenn Sie (wie ich es mehrfach persönlich erlebt habe), diese Frage schon am Tag 3 stellen, wirkt es eher kontraproduktiv.

Ja, der telefonische Kontakt kann helfen.

Dazu eine kleine Anekdote aus meinem eigenen berufliche Leben:

Ich wollte mich beruflich verändern und wurde (noch zu Zeiten, als Zeitungsanzeigen die einzige Quelle für Stellenausschreibungen waren) auf interessante Position aufmerksam. Die Tätigkeit war etwas umständlich beschrieben. Mir war nicht ganz klar, was mein Kundenkreis sein würde. Zu diesen Zeiten hatte ich mir noch keine großen Gedanken über die „Theorie des Bewerbens“ gemacht. Da mich aber das inhaltliche Problem interessierte, nahm ich all meinen Mut zusammen und rief bei der in der Anzeige genannten Kontaktperson an. Ich war sehr erleichtert, dass ich mit einem sehr umgänglichen Menschen sprach, der mir eine bessere Vorstellung von der Aufgabe vermittelte. Das Gespräch ging in eine freundliche Unterhaltung über. Zum Ende sagte ich, dass ich meine Unterlagen schicken werde.

Anschließend war einige Zeit Ruhe, aber letztendlich bekam ich eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Wenige Tage später hielt ich den Arbeitsvertrag in den Händen.

Der nette Herr war nun mein Vorgesetzter. Beim Bier erzählte er mir später, dass auch er Interesse an meiner Person gewonnen hatte. Zum Glück hatte er sich meinen Namen notiert. Als er Kandidaten für die „Vorstellungsrunde“ zusammenstellte, vermisste er meine Bewerbung. Auf Nachfrage in der Personalabteilung schaute man dort nach und siehe, einige Mappen waren in der falschen Ablage gelandet.

Fazit: Ohne meinen Anruf wäre irgendwann der Postkorb gesichtet worden. Meine Unterlagen hätte ich wahrscheinlich mit den üblichen unverbindlichen Floskeln, aber ohne Arbeitsvertrag, zurück erhalten.

MERKE:

Es steigert immer Ihre Chancen, wenn Sie vorab Kontakt zur bearbeitenden Person suchen.

ABER:

Es darf nicht „durchscheinen“, dass Sie mit Ihrem Anruf einen Punkt in Ihrer Bewerbungsstrategie abarbeiten.

DAHER:

Stellen Sie nur Fragen, die Sie als kompetente Person mit Kenntnissen der Brachen bzw. des Marktes auszeichnen, z.B.:

  • Ist die Position eine Neu- oder eine Nachbesetzung?
  • Sie haben eine sehr lange Kündigungsfrist – würde das Unternehmen so lange auf Sie „warten“?

Oder Sie fragen nach Themen, die wirklich unklar beschrieben sind, wie z.B.:

  • Der Umfang des Reisetätigkeit?
  • Die räumliche Aufteilung des Verkaufsgebietes?
  • Die Größe Ihres Verantwortungsbereiches?

Rufen Sie nur an, wenn Sie sich Ihrer Ausstrahlung sicher sind. Sie müssen am Telefon

  • selbstsicher
  • nicht überheblich
  • nicht „bittstellerisch“

wirken!!!

Je höher die angestrebte Karrierestufe ist, umso wichtiger werden diese Verhaltensweisen!!

Wollen Sie nur nach dem Stand der Bearbeitung erkundigen, können Sie dies etwa nach ca. 3 Wochen tun. Das ist ein angemessener Zeitraum, ohne dass Sie „nerven“.

Aber auch hier Vorsicht:

Hört der Partner aus der Frage oder Ihrer Tonlage heraus, dass Sie auf die Stelle angewiesen sind, schwächen Sie schon zu diesem Zeitpunkt Ihre Verhandlungsposition!

Sie sind immer im Vorteil, wenn Sie schon eine Zusage in der Hinterhand haben.

Wollen Sie jetzt erfahren, wie Ihre Chancen bei dieser Stelle stehen, sind Sie psychologisch eindeutig im Vorteil.

Daher ein weiterer Tipp:

Bewerben Sie sich aktiv bis zu dem Zeitpunkt, an dem Sie den Arbeitsvertrag wirklich unterschrieben in Ihrer Mappe haben. Die Verkäufer unter Ihnen wissen: „Es muss immer etwas in der Pipeline sein!“

Zusammenfassend mein Rat:

Anrufen beim zukünftigen Arbeitgeber kann sich lohnen. Es muss aber mit Bedacht gemacht werden.

PS: Passend zum heutigen Thema empfehle ich Ihnen meine Artikel zum Telefoninterview und „Es kann nur einen geben“.

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