Geheimcode Arbeitszeugnis

Arbeitszeugnis

Arbeitszeugnis

Wie in der vergangenen Woche angekündigt, möchte ich heute über meine Erfahrungen zum Thema Arbeitszeugnis schreiben. Ich glaube, zu keinem der Bestandteile einer Bewerbung gibt es mehr „Verschwörungstheorien“ wie zum Arbeitszeugnis. So musste ich z.B. vor einigen Jahren in einem zwanzigminütigen Telefonat eine ehemalige Mitarbeiterin davon überzeugen, dass ich die Schreibweise eines Wortes entsprechend der deutschen Rechtschreibung und Grammatik gewählt hatte und es keinen Geheimcode enthielt, wie ihr ein Rechtsanwalt verraten hätte.

Ich kann Ihnen ehrlichen Herzens versichern, dass ich nie eine Schulung erhalten habe oder an einer Besprechung teilgenommen habe, in der sich Personalentscheider über eine geheime Zeugnissprache verständigt haben.

Arbeitszeugnisse sind für eine Bewerbung wichtig, entscheiden aber auch nicht alles. Wie in allen meinen Beiträgen möchte ich auch hier unterstreichen, dass Ihre Fokussierung in Verbindung mit dem „Gesamtpaket“ Ihrer Kenntnisse, Erfahrungen und dem, was Sie schriftlich vorlegen können, über Ihren Erfolg entscheidet.

Beim Umgang mit den Arbeitszeugnissen in Ihrer Bewerbung sollten Sie zwei zwei Aspekte berücksichtigen:

A) Den „formalen“ Aspekt
B) Den Inhalt Ihrer Arbeitszeugnissen

Was sollten Sie zum formalen Aspekt wissen?

Deutschland ist eines der ganz wenigen Länder, in denen Sie einen gesetzlichen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis haben.

Das heißt aber auch im Umkehrschluss, jeder neue Arbeitgeber kann davon ausgehen, das Sie alle beruflichen Stationen mit einem Arbeitszeugnis belegen können müssen. Reichen Sie Ihre Zeugnisse nur lückenhaft ein, so liegt der Schluss nahe, dass Sie etwas zu verbergen haben und daher das Zeugnis bewusst zurückhalten.

Haben Sie wirklich kein Zeugnis für einen beruflichen Abschnitt, dann kann man Sie für einen unordentlichen Menschen halten oder für jemanden, der nicht mit Nachdruck seine Rechte einfordert. Mit diesen für Sie negativen Schlussfolgerungen scheiden Sie schon bei einer Reihe von Positionen aus dem Bewerberkreis aus.

Wie immer gibt es auch eine Ausnahme von der Regel, die Sie entlasten könnte: Sollten Sie in den „wilden 90er Jahren“ in Ostdeutschland punktuell kein Arbeitszeugnis erhalten haben, so wird das ein erfahrener Personalverantwortlicher nach Prüfung der Details nachvollziehen können. Die Situation in den Unternehmen war häufig sehr unruhig und die Verantwortlichen mit vielen Pflichten noch nicht so vertraut. Manchmal muss ich schmunzeln, wenn ich mit Schreibmaschine geschriebene Zeugnisse aus dieser Zeit sehe, auch die Formulierungen waren noch nicht so professionell „abgeschliffen“.

Wie korrekt die Handhabung der Zeugnisse in den alten Bundesländern in den 80er und 90er Jahren war, vermag ich nicht einzuschätzen.

Ich habe in vorangegangenen Artikeln mehrfach die Empfehlung gegeben, schwierige Themen im persönlichen Gespräch zu kommentieren. Daher auch hier mein Rat: haben Sie ein Problem mit der Vollständigkeit oder dem Inhalt Ihrer Arbeitszeugnisse und werden die Zeugnisse nicht zwingend in der Anzeige gefordert, fügen Sie diese nicht unaufgefordert Ihrer Bewerbung bei.

Sie werden aber spätestens zum Vorstellungsgespräch Stellung beziehen müssen!

Zusammenfassend meine Empfehlung zum formalen Umgang mit den Arbeitszeugnissen in Ihrer Bewerbung:
  • Ihre Originale müssen gepflegt sein, reichen Sie aber saubere, gerade Scans als elektronischen Anhang bzw. als Kopie ein.
  • Lassen Sie die Dateien nicht zu groß werden, Zeugnisse mit mehreren Blättern gehören in eine Datei; verwenden Sie eindeutige, nicht zu komplizierte Dateinamen.
  • Sortieren Sie die vollständigen Arbeitszeugnisse in zeitlich absteigender Reihenfolge.
  • Werden die Arbeitszeugnisse in der Anzeige gefordert, fügen Sie diese sofort Ihrer Bewerbung bei.
  • Werden die Arbeitszeugnisse nicht erwähnt oder wird dies erst für den nächsten Bewerbungsschritt angekündigt, schicken Sie diese nicht unaufgefordert. In diesen Fällen wollen die Personalabteilungen meist die Dokumenten-Flut eindämmen.

Was sollten Sie über die inhaltlichen Aspekte von Arbeitszeugnissen wissen?

Es gibt „Einfache Arbeitszeugnisse“ und „Qualifizierte Arbeitszeugnisse“. Ein einfaches Zeugnis ist eher eine Arbeitsbescheinigung und enthält im wesentlichen nur die Angaben zur Art und Dauer der Beschäftigung. Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis beschreibt über diese Angaben hinaus das Verhalten und Ihre Leistungserbringung als Mitarbeiter. Eine Form des qualifizierten Zeugnisses ist das Zwischenzeugnis. Dies wird dem Mitarbeiter (oft auch auf dessen Wunsch) bei der Übernahme neuer Positionen im Unternehmen bzw. dem Wechsel wichtiger Vorgesetzter ausgestellt.

Ein Arbeitszeugnis muss auf dem Kopfbogen des Unternehmens geschrieben und vom Vorgesetzten oder einer anderen verantwortlichen Person unterschrieben sein.

Warum gibt es so viele Spekulationen über die Inhalte von Arbeitszeugnissen?

Der Ausgangspunkt liegt nach meiner Meinung hauptsächlich in der Aufforderung an die Arbeitgeber, dass die Aussagen in der Regel wertschätzend und positiv formuliert sein müssen. Auch scheut man mögliche rechtliche Auseinandersetzungen, die ein unzufriedener Mitarbeiter anstrengen könnte. Auf der anderen Seite dürfen Arbeitszeugnisse aber auch den nachfolgenden Arbeitgebern kein falsches Bild von den Fähigkeiten und dem Verhalten eines Mitarbeiters vorspiegeln.

Aus dieser Gemengelage folgt die Praxis, dass man bei grundsätzlich positiven Formulierungen versucht, sprachlich differenzierte Wertungen, meist über Adjektive, zu erreichen.

Manchmal mündet das in ein recht einfaches Schema, dass sich an eine Notenvergabe in der Schule anlehnt. Dann ist die Note 5 ein

„… er erfüllte seine Aufgaben…“.

Will man dagegen eine Note Eins ausdrücken, folgen Formulierungen wie

„… sie erfüllte ihre Aufgaben stets über alle Maßen und selbständig….“

Nehmen Sie sich einmal die Zeit und überprüfen Ihre Arbeitszeugnisse unter diesen Gesichtspunkten. Fühlen Sie sich richtig eingeschätzt?

Eine weitere Möglichkeit, eine Kritik zu verstecken, ist die Wahl des Verhältnisses von Aufgabenbeschreibung zu inhaltlicher Beurteilung. Überwiegt die Aufgabenbeschreibung deutlich der Beurteilung, liegt die Vermutung nahe, dass man damit ausdrücken möchte, dass es ein hohes Bemühen des Mitarbeiters gab, er aber die Leistungen nicht im gewünschten Maß erbracht hat.

Prüfen Sie auch, ob alle Ihre wesentlichen Aufgaben im Arbeitszeugnis bewertet wurden. Eine bewusste Auslassung von Kernaufgaben ist ein Zeichen an den nachfolgenden Arbeitgeber, dass Sie in diesem Bereich die Erwartungen nicht erfüllt haben.

Die bundesdeutsche Rechtssprechung hat entschieden, dass die Art des Austrittes nicht erwähnt werden darf, wenn Sie das nicht wünschen. Ebenso muss es keine „Schlussformel“ geben. Trotzdem sollten Sie, wenn Sie das Gefühl haben, aufgrund Ihrer Arbeitszeugnisse wenig Erfolg bei Ihren Bewerbungen haben, sich gerade diesen Teil Ihrer Arbeitszeugnisse einmal kritisch anschauen. Ich kenne viele Personalentscheider, die sehr auf die abschließenden Formulierungen achten.

Bei allen Problemen mit Arbeitszeugnissen oder wenn Sie Mühe haben, überhaupt eins zu erhalten, sollten Sie sehr schnell handeln. Die Erinnerung ist noch frisch und die verantwortlichen Vorgesetzten sind noch in Ihren Positionen. Je mehr Zeit nach Ihrem Austritt aus einem Unternehmen vergeht, umso schwieriger wird es, einvernehmlich Unstimmigkeiten zu klären, die Ihre Arbeitszeugnisse betreffen.

Ich hoffe, Sie haben auch nach meinen Zeilen feststellen können, dass sie hervorragende Arbeitszeugnisse besitzen.

Im kommenden Beitrag komplettiere ich die Serie zu den Bewerbungsunterlagen mit einigen Erfahrungen, inwieweit man Persönliches darstellen sollte oder vielleicht auch muss.

Bis dahin wünsche ich Ihnen wie immer eine erfolgreiche Woche und –

„Scheitern ist keine Option“

2 thoughts on “Geheimcode Arbeitszeugnis

  1. Ich habe mich auch nie übermäßig mit Arbeitszeugnissen beschäftigt. Allgemein sind wohl die Formulierungen „zu unserer Zufriedenheit“ „zu unserer vollen Zufriedenheit“ und „zu unserer vollsten Zufriedenheit“ am bekanntesten, oder? Ich habe außerdem einmal gehört, dass man dem Arbeitgeber mehr oder weniger vorschreiben kann, was er in das Arbeitszeugnis schreiben soll. Stimmt das?
    Herzliche Grüße
    Yvonne

    1. Hallo Yvonne,
      wenn Sie sich bisher nicht mit Arbeitszeugnissen beschäftigen mussten, hat dass wahrscheinlich den erfreulichen Grund, dass sie immer positiv waren. Das man seinem Arbeitgeber die Formulierungen vorschreiben kann, wäre etwas zu einfach ausgedrückt. In der Praxis einigt man sich im Zweifelsfall, um z. B. auch rechtlichen Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen. Einen Anspruch auf eine konkrete Wortwahl hat der Beurteilte aber nicht. Das Unternehmen muss wie von mir beschrieben zugleich im Auge behalten, dass ein nachfolgender Arbeitgeber nicht über die Qualitäten des Mitarbeiters getäuscht wird.
      Herzliche Grüße
      Detlev Hauenschild

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