Fachkräftemangel! Fachkräftemangel?

Fachkräftemangel! Fachkräftemangel?

Fachkräftemangel! Fachkräftemangel?

Ja, was haben wir denn nun? Haben wir einen Fachkräftemangel oder nicht?

Wenn ich in die Medien schaue und einige Wirtschaftsverbände höre, dann gibt es einen Fachkräftemangel. Auch die Politik hat zu Beginn des Anschwellens der Flüchtlingszahlen dankbar das Argument aufgegriffen, damit ließe sich ein Fachkräftemangel verringern.

(Ihnen wird aufgefallen sein, dass inzwischen niemand mehr diese Argument benutzt. Aber dazu in einem späteren Artikel mehr. Seit Dezember sammle ich unmittelbare Praxiserfahrungen und muss mich nicht mehr auf Argumente gleich aus welcher Richtung verlassen!)

Das es Fachkräftemangel geben kann, habe ich in meiner praktischen Tätigkeit als Personalvermittler selbst erfahren. Bei einigen Aufträgen habe ich gemeinsam mit meinen Kunden sehr lange suchen müssen, um die Position qualitätsgerecht besetzen zu können.

Aber es gibt auch eine andere Seite:

Häufig beklagen sich Klienten in meiner Bewerberberatung, dass sie trotz intensiver Bemühungen keinen Job finden.

Wie lassen sich meiner Meinung nach diese unterschiedlichen Erfahrungen erklären?

Wie immer im Leben muss man genauer hinschauen.

Ich bin davon überzeugt: den Fachkräftemangel gibt es nicht.

Ob es einen Überschuss oder ein Defizit an potentiellen Kandidaten gibt, hängt für mich von 2 Faktoren ab:

  1. der Branche
  2. der konkreten und nicht der formalen Qualifikation

Zum Punkt 1, den Branchen

Am 19./20. Dezember 2015 veröffentlichte die „Sächsische Zeitung“ eine Studie, in welcher endlich einmal mit belastbaren Zahlen gearbeitet wurde.

Die Kernaussage: Es gibt keinen flächendeckenden Fachkräftemangel.

Es wurde eine repräsentative Umfrage von allen 6 sächsischen Handwerkskammern und IHK durchgeführt. Danach werden am häufigsten gesucht:

  • Kraftfahrer
  • Mitarbeiter in Küche und Restaurant
  • Mechaniker
  • Elektriker
  • Bauleiter
  • Informatiker
  • Elektrotechnik
  • Helfer in Lagern, Logistik, Produktion

Eine Berufsgruppe fehlt nach meiner Einschätzung – die Pflegeberufe. Ich bin der Meinung, dass der Fachkräftemangel auch diese Berufsgruppe betrifft. Wahrscheinlich fallen diese Berufe aber nicht in den Zuständigkeitsbereich der IHK und HWK und wurden deshalb nicht erwähnt.

Was könnte für Sie als Bewerber die Schlussfolgerung aus dem Punkt 1 sein?

Ergreifen Sie einen der aufgeführten Berufe und Sie brauchen meine Hilfe nicht.

– ->Ist das so einfach?

Nein, hier greift Punkt 2. meiner Einschätzung:

Für einen Personalentscheider ist in letzter Instanz entscheidend:

Werden Sie als neuer Mitarbeiter Ihre Aufgaben in kurzer Zeit selbständig lösen können? Werden Sie darüber hinaus neue Impulse setzen, das Unternehmen mit Ihren Ideen bereichern können?

Bei der Beantwortung dieser Fragen helfen keine formalen Abschlüsse, Zertifikate oder Schulnoten. Deshalb finde ich Aussagen in den Medien wie „Uns fehlen xxxxx Ingenieure in Deutschland, aber yyyy Ingenieure sind arbeitslos“ täuschend. Die Fragen müssen genauer gestellt werden:

  • Ingenieure welcher Fachgebiete?
  • Was können diese konkret (z.B. entwicklen oder verwalten)?
  • Wie aktuell ist deren Qualifikation?
  • Wohnen die Kandidaten dort, wo die Stellen zu besetzen sind?
  • Stimmen die Gehaltsvorstellungen mit dem zu erwartenden Mehrwert für das Unternehmen überein?

Bitte, liebe Ingenieure, verteufeln Sie mich jetzt nicht. Ich habe die Berufsgruppe gewählt, weil sie in der „Mangel-Diskussion“ gern als Beispiel genommen wird. Diese Fragen treffen auf jede Berufsgruppe zu.

Die Beantwortung dieser Fragen sind ebenso wichtig für alle Berufsanfänger. Aus deren Reihen höre ich besonders oft die Klage:

„Mich nimmt keiner. Ich habe keine Berufserfahrung, aber wo soll ich sie bekommen?“

Natürlich gibt es Positionen, die kann ein Berufsanfänger nicht ausfüllen. In den anderen Fällen aber reicht nicht das Zeugnis mit dem richtigen Titel des Berufsabschlusses. Entscheidend für das Unternehmen ist der Mensch „hinter dem Zeugnis“.

Steht er „in seinem Fachgebiet“ oder hat er „nur“ den Abschluss gemacht?

Abschließend noch eine Auswertung der Karriere-Plattform LinkedIn. In dieser Liste werden die Top 25-Fähigkeiten in Deutschland 2015 aufgezählt, nach denen Arbeitgeber gesucht haben:

  1. Cloud und Distributed Computing
  2. Elektrotechnik
  3. SEO/SEM Marketing
  4. Statistische Analyse und Data Mining
  5. Software Qualitätssicherung und Anwendertests
  6. Entwicklung im Bereich mobile Geräte
  7. Database Management
  8. Channel Marketing
  9. Data Engeneering und Data Warehousing
  10. Logistik und Einzelhandel
  11. Gesellschaftsrecht und Unternehmensführung
  12. Software Revision und Steuerungssystem
  13. Web-Architektur und -Entwicklung
  14. Personal-Vergütungssysteme
  15. Design von Automobil- und Ersatzteilentwicklung
  16. User Interface Design
  17. Software Modellierung und Prozessdesign
  18. Java-Entwicklung
  19. Personalbeschaffung
  20. Perl/Python/Ruby
  21. Social Media Marketing
  22. Shell Scripting
  23. Datenaufbereitung
  24. Mac, Linus und Unix Systeme
  25. Business Intelligence

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