Endlich die Bewerbung starten – der CV-Check

Ein Musterlebenslauf

Ein Musterlebenslauf

Der eine oder andere Leser wird sich vielleicht über die Themenabfolge meiner Beiträge gewundert haben. Warum die umfangreiche Einleitung zu den Positionen, die ein Bewerber vorab für sich klären sollte? Warum die ausführliche Darstellung der Sichtweise der Arbeitgeber?

Weil ich aus meiner praktischen Erfahrung die feste Überzeugung gewonnen habe, dass der Erfolg einer Bewerbung über die richtige Positionierung entschieden wird.

Alle anderen Bestandteile, wie die äußere Form, der Umfang  oder der Schreibstil entwickeln sich daraus. Natürlich müssen die „Basics“ stimmen – Rechtschreibung, Sauberkeit der Unterlagen (im Zeitalter der online-Bewerbung kann man hier nicht mehr soviel falsch machen), Vollständigkeit und korrekter Inhalt.

Eine weitere, mir häufig gestellte Frage möchte ich noch aufgreifen. Warum schreibe ich zuerst über den Lebenslauf, das erste Blatt einer Bewerbung ist doch das Anschreiben?

Ich vertrete die Meinung, dass der Lebenslauf das zentrale Dokument ist, an dem sich entscheidet, ob Sie beim ersten Sichten der eingegangenen Unterlagen in den engeren Kreis der Bewerber aufgenommen werden. Daher sollten Sie den Schwerpunkt Ihrer Bemühungen auf die Erstellung des CV („Curriculum Vitae“ = Lebenslauf) legen.

Zur Rolle und zur Gestaltung des Anschreibens werde ich in der kommenden Woche ausführlich schreiben.

Folgende drei Merksätze sollten Sie bei der Erstellung Ihres Lebenslaufes beherzigen:

1. Für jede Bewerbung müssen Sie einen individuellen CV schreiben!

2. Die Form muss den Inhalt unterstützen!

3. Inhalte und Stil müssen zum Unternehmen und zur Position passen!

1. Der individuelle Lebenslauf:

Ausgehend von meiner Prämisse, dass Sie sich vor einer Bewerbung klar positionieren sollten, muss Ihr Lebenslauf die für die Position wichtigen Informationen dem Entscheider auf einem „silbernen Tablett“ präsentieren. Ihm müssen bei einem ersten schnellen Überfliegen des Schreibens die gewünschten Stichwörter regelrecht „anspringen“. Und er darf nicht sofort über Punkte stolpern, welche Ihre Chancen verringern könnten. Hier wiederhole ich gern nochmals einen Abschnitt aus meinem Beitrag “wie tickt die andere Seite“ :

„Das Unternehmen will Sie nicht, weil Sie so ein sympathischer Mensch sind oder in Ihrer beruflichen Vergangenheit riesige Erfolge feiern konnten. Man wird Sie nur dann einstellen, wenn Sie alle am Prozess Beteiligten überzeugen können, dass Sie die Arbeitsaufgabe schnell und kostengünstig bewältigen können und so innerhalb kurzer Zeit das Unternehmen verstärken.“

2. Die Form des Lebenslaufes:

Machen Sie es nicht zu kompliziert! Es gibt auch keine DIN oder andere Vorschrift für die Form eines Lebenslaufes. Am besten kommt ein klares, übersichtliches Design bei den Personal-Entscheidern an. Arbeiten Sie nicht übertrieben viel mit Farben, schon gar nicht als Hintergrundfläche. Das lenkt nur vom Inhalt ab und bläht auch noch die Größe der Datei unnötig auf. Vorteilhaft ist es, wenn auf jedem Blatt Ihre Kontaktdaten aufgeführt sind (keine exotischen E-Mailadressen!). Sie müssen es dem Entscheider ganz leicht machen, Sie bei entstehendem Interesse sofort zu erreichen.

Die von Ihnen gewählte Form muss das unter Punkt 1. genannte Anliegen unterstützen.

Der Personalreferent will zuerst wissen, welche Berufserfahrungen und Ausbildungen Sie auf dem gesuchten Fachgebiet vorweisen können. Dabei interessieren ihn natürlich Ihre aktuellsten Kenntnisse am meisten. Beginnen Sie daher mit der Darstellung Ihres beruflichen Lebenslaufes, die Aufzählung Ihrer Ausbildungen stellen Sie erst danach dar. Schreiben Sie in zeitlich absteigender Reihenfolge! Ich empfehle, den Zeitraum, das Unternehmen und die Stellenbezeichnung zu nennen. Darunter zählen Sie einige wesentliche Tätigkeitsschwerpunkte auf.

Hier ein Muster:

2011 – heute Mustermann AG, Vertriebsmitarbeiter

  • verantwortlich für die Betreuung von Kunden im B2B-Geschäft
  • Arbeit im PLZ-Gebiet 01xxx bis 03xxx
  • Führung der Preisverhandlungen mit Einkäufern
  • Durchführung von Produktschulungen mit den Anwendern in den Kundenunternehmen.

Die Variation dieser Tätigkeitsschwerpunkte ermöglicht es Ihnen, auf die Besonderheiten der angebotenen Stelle einzugehen. Die Punkte, von denen Sie der Meinung sind, dass diese dem Stellenanbieter besonders wichtig sind, setzen Sie nach oben. Weniger wichtige Merkmale folgen weiter unten oder Sie lassen diese ganz weg.

Einen Grundsatz müssen Sie immer im Auge behalten:

Schreiben Sie alles so, dass Sie bei einem Vorstellungsgespräch zu jedem Punkt belastbare Aussagen machen und diese im Dialog belegen und vertiefen können!

Nicht so günstig finde ich, ganz zu Beginn schon Ihre beruflichen Schwerpunkte in einem Block zusammengefasst aufzuzählen. Oft wird dabei noch der Fehler gemacht, soviel anzubieten, dass Sie schon wieder „profillos“ werden. Ich habe da schon lesen dürfen, dass der Bewerber vom Vertrieb über Führungstätigkeiten bis hin zum Controlling alles gemacht hat.

Ihren Ausbildungsverlauf stellen Sie unterhalb Ihrer Berufserfahrungen in einem nächsten Textblock zusammen. Auch hier wieder in zeitlich absteigender Reihenfolge. Übertreiben Sie es nicht mit der Aufzählung von Weiterbildungen. Wenn Sie eine halbe Seite mit Zertifikaten füllen, diese aber z.B. nur Tagesschulungen waren, so hebt das nicht zwangsläufig in den Augen der anderen Seite Ihren Ausbildungsstatus.

Anschließend empfehle ich Ihnen einen Abschnitt, in dem Sie Ihre wichtigsten Kenntnisse und Erfahrungen nochmals zusammenzufassen. Seien Sie auch hier wieder spezifisch und beziehen die Informationen speziell auf die ausgeschriebene Position.

Schließen Sie ab mit einen kurzen Einblick in Ihre Person, meist unter dem Punkt „Hobbys“. Ich werde mich in einem späteren Beitrag noch dazu äußern, inwieweit man Persönliches preisgeben sollte bzw. muss.

3. Der Inhalt und Ihr Stil:

Wenn Sie sich, wie von mir empfohlen, im Vorfeld richtig mit dem Unternehmen beschäftigt haben, dann wissen Sie, welche Unternehmens-Atmosphäre Sie erwarten wird. Mit dem richtigen Stil unterstreichen Sie, dass Sie das verstanden und sich damit im Vorfeld identifiziert haben.

So sollten Sie nicht mit Ihren internationalen Erfahrungen und einer vorangegangenen Arbeit als Prokurist prahlen, wenn Sie sich um eine Abteilungsleiter-Position bei einem regionalen Familienunternehmen bewerben. Sie müssen überzeugend darlegen, dass Sie die ausgeschriebene Stelle anstreben und nicht vielleicht schon den nächsten Karriereschritt planen. Wenn die Position ein „Rückschritt“ zu der vorangegangenen Tätigkeit ist, muss Ihre Entscheidung glaubhaft und nachvollziehbar sein. So hatte ich einmal eine Stelle für einen „normalen“ Vertriebsmitarbeiter zu besetzten. Einer der Bewerber hob sofort seine Führungserfahrungen im Vertrieb hervor. Wie genau seine Führungsarbeit aussah und wie oft er selbst vor dem Kunden stand, war nicht ersichtlich.

Generell empfehle ich, in allen Ihren Aussagen nicht zu dick aufzutragen. Wenn man Sie nach Ihrer Darstellung für einen „Überflieger“ halten muss, warum suchen Sie dann eine neue Stelle? Und das vielleicht auch schon über mehrere Monate? Bleiben Sie lieber verhalten in Ihren Aussagen und heben Sie sich die „Highlights“ für das Vorstellungsgespräch auf.

Zum Abschluss möchte ich noch auf einige typische Fehler hinweisen.

Stellen Sie den zeitlichen Ablauf Ihres beruflichen Lebensweges nicht zu kleinteilig dar!

Natürlich können Sie häufige Arbeitgeberwechsel nicht verschweigen. Die Gründe dafür müssen Sie im Vorstellungsgespräch dann überzeugend kommentieren können. Ich habe aber auch schon Lebensläufe gesehen, in denen mehrere Positionswechsel innerhalb der Firma wie eigenständige Berufsabschnitte dargestellt wurden. Beim ersten Blick auf die CV dieser Kandidaten entstand schnell der Eindruck von einem „Job-Hopper“ – meist ein Minuspunkt für diese Kandidaten.

In den neuen Bundesländern entsteht dieses Problem teilweise durch häufige Eigentümerwechsel in den 1990er Jahren und damit verbundene namentliche Umfirmierungen. Der Mitarbeiter stand in der Realität aber immer am gleichen Arbeitsplatz. Sollten Sie in Ihrer Karriere von dieser Problematik betroffen gewesen sein, dann stellen Sie das entsprechend klar heraus. Sie können nicht davon ausgehen, dass ein Entscheider diese Besonderheiten verfolgen konnte und daher weiß, das nicht Sie, sondern nur das Schild am Werktor häufig wechselt hatte.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen guten Überblick über die wichtigsten Kriterien für einen gut gestalteten Lebenslauf geben. Da der CV ein ganzes berufliches Leben umfasst und eine so hohe Bedeutung im Bewerbungsprozess hat, ist es schwer, alle Aspekte in einem Artikel zu behandeln. Daher wiederhole ich gern mein Angebot, mich zu speziellen Fragen persönlich zu kontaktieren. Im kommenden Beitrag werde ich mich einem verbreiteten Mythos widmen -„dem perfekte Anschreiben“

Bis dahin wünsche ich eine erfolgreiche Woche und wie immer

„Scheitern ist keine Option!“

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