Ein guter Arbeitsvertrag sichert einen problemlosen Start

Arbeitsvertrag

Über mehrere Wochen haben Sie um die neue Stelle gekämpft. Mit Ihren Bewerbungsunterlagen haben Sie die notwendige Aufmerksamkeit auf Ihre Person gelenkt. Das Telefoninterview haben Sie gemeistert. Sie konnten im Erstgespräch überzeugen. Und im Zweitgespräch haben Sie mit Ihrem 100-Tage-Programm endgültig gewonnen.

Wann erfährt man eigentlich als Bewerber, dass sich das Unternehmen für Sie entschieden hat?

In meiner Praxis habe ich zwei verbreitete Vorgehensweisen erlebt:

  1. Die Stimmung auf beiden Seiten ist gut, eine vertrauensvolle Atmosphäre baut sich auf und der Entscheidungsbefugte teilt dem Bewerber zum Abschluss mit, dass man ihm ein Vertragsangebot machen will.
  2. Im anderen Fall will man sich nicht sofort vor dem Kandidaten festlegen. Man verabschiedet sich freundlich mit der Aussage, sich in den kommenden Tagen mit einer Entscheidung zu melden.

Einen neuen Arbeitsvertrag in den Händen zu halten, ist ein schönes Gefühl. Bevor Sie ihn schnell unterschreiben, werden Sie ihn sich aber in Ruhe durchlesen wollen.

Auf was sollten Sie achten?

Hier muss ich einen kleinen Einschub machen. Ich bin kein Rechtsanwalt. Meine Aussagen beruhen auf meinen Erfahrungen und erlerntem Wissen. Ich kann und werde somit keine Haftung im rechtlichen Sinne für meine Tipps übernehmen. Sollten Sie diesbezüglich Rat suchen, müssen Sie sich an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht wenden.

Was regelt ein Arbeitsvertrag?

Er verpflichtet den Arbeitnehmer, eine weisungsgebunde Tätigkeit gegen Entgelt höchstpersönlich wahrzunehmen und sich in den Betrieb einzugliedern.

Im Gegenzug verpflichtet sich der Arbeitgeber zur Zahlung des Arbeitsentgeltes, zur Fürsorge und zur Beschäftigung seines Mitarbeiters.

Sind diese Rechte und Pflichten anders ausgestaltet, sollten Sie prüfen, ob es sich nicht um Werks-, Dienstverschaffungsverträge oder ähnliche, vom Arbeitsvertrag abweichende Dokumente handelt.

Arbeitsverträge könnten theoretisch auch „formfrei“ – wie der Jurist sagt – geschlossen werden. Das heißt, er könnte sogar mündlich abgeschlossen werden.

Davon würde ich aber bei einem so wichtigen Schritt für Ihre berufliche Laufbahn abraten. Das würde auch unserer Arbeitskultur in Deutschland nicht entsprechen.

Zudem gibt es auch Ausnahmen, die zwingend eine schriftliche Form fordern. So schreibt zum Beispiel das Berufsbildungsgesetz zum Schutz der Auszubildenden vor, dass spätestens vor Beginn der Berufsausbildung der Vertrag schriftlich vorliegen muss.

Auf welche einzelnen Punkte sollten Sie insbesondere achten?

Der Arbeitsort:

Ist dieser im Vertrag fixiert?

Hat das Unternehmen mehrere Standorte, könnte dieser Punkt für Sie von Bedeutung werden. Im Falle von Verlagerungen kann das Auswirkungen auf Ihre Verhandlungsposition bezüglich einer Weiterbeschäftigung im Unternehmen haben.

Befristung oder unbefristeter Arbeitsvertrag:

Eine Befristung ist an einige Voraussetzungen gebunden, aber prinzipiell zulässig. Bei den starken Arbeitnehmerrechten in Deutschland gibt Ihnen ein unbefristeter Arbeitsvertrag einen deutlich höhere Sicherheit für Ihre Lebensplanung.

Bevor Sie in den Genuss dieser Sicherheiten kommen, müssen Sie die Probezeit erfolgreich absolvieren:

Diese darf maximal 6 Monate betragen und ist darüber hinaus nicht verlängerbar!

Das hat zur Konsequenz, dass sich erfahrene Führungskräfte Ihre Arbeit in diesem Zeitraum sehr genau ansehen werden. Können Sie nicht voll überzeugen, wird diese Führungskraft den sicheren Weg wählen und sich zur Vermeidung späterer Probleme lieber jetzt von ihnen trennen.

Das Entgelt:

Meist ist die Höhe Ihrer Vergütung in den Gesprächen ausgehandelt worden und wird jetzt schriftlich fixiert. Sollten Sie im Rahmen Ihrer Verhandlungen eine Gehaltssteigerung nach der Probezeit vereinbart haben, können und sollten Sie sich dies hier festschreiben lassen.

Übrigens ist eine Vertragsstrafe bei Nichtantritt eines Arbeitsvertrages rechtlich umstrittenen.

Ein weiterer rechtlicher Aspekt wurde bisher wenig diskutiert, erhält aber meiner Meinung nach in unserer modernen Wirtschaft zunehmende Bedeutung:

Wie ist der Verbleib der Rechte auf Erfindungen und geistige Leistungen, wie zum Beispiel für in der Arbeitszeit entwickelte Software, geregelt?

Besonders für Startup-Unternehmen und in der IT-Branche ein nicht zu unterschätzender Punkt, der zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses geklärt werden sollte!

Erfreulicherweise hat sich die Arbeitsmarktlage in vielen Branchen deutlich verbessert. In meiner Praxis habe ich das unter anderem daran gemerkt, dass Bewerber nicht sofort auf ein Angebot zusagten. Sie hatten noch weitere Optionen und wollten diese natürlich vergleichen.

Sollten Sie in dieser komfortablen Situation sein:

Machen Sie klare Aussagen und bieten Sie eine eindeutige, nicht zu lange Frist für Ihre Entscheidung an!

„Man sieht sich zweimal im Leben“ sagt ein Sprichwort.

Wenn Sie Ihre Entscheidung nicht professionell kommunizieren, kann sich das später rächen. Auch Unternehmen, die im Wettbewerb stehen, sind untereinander vernetzt. Gute Personalverantwortliche kennen den Bewerbermarkt, auch sie wechseln den Arbeitgeber und sitzen Ihnen vielleicht einige Jahre später wieder gegenüber.

Ich wünsche Ihnen, dass Ihre Bemühungen um eine neue Stelle immer mit der Unterschrift unter einen Arbeitsvertrag belohnt werden.

Leider wird das nicht immer klappen. Was Sie in diesem Fall tun sollten – dazu in der kommenden Woche.

Bis dahin eine erfolgreiche Zeit und

Scheitern ist keine Option.

 

PS: Gerade in diesen Tagen vor 45 Jahren, vom 11. April bis 17. April 1970, entwickelte sich das Drama um Apollo 13. Dabei prägte der Leiter der Bodencrew, Gene Kranz, den Satz. „failure is not an option – Scheitern ist keine Option“. Er verpflichtete damit sein Team, alle Optionen zur Rettung zu prüfen.

Nur eine Option akzeptierte er nicht – das Scheitern.

PPS: Ich hatte vor Ostern einige Veränderungen zur Ausrichtung und damit auch zur Gestaltung meiner Webseite angekündigt. Das ich noch nicht alles geschafft habe hat einen erfreulichen Grund – „der Kunde drohte mit Auftrag“. Gegenwärtig habe ich Lehraufträge zur Personalführung, mehrere Mandate zum Bewerbertraining und unterrichte 3 EDV-Kurse. Ich freue mich über jeden dieser Aufträge, daher dauert aber die Umsetzungen einiger Ideen für diese Webseite länger als geplant.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.