Edler Stahl aus Freital

Stahlwerker im Edelstahlwerk Freital

Was habe Zahnspangen und Turbinenschaufeln gemeinsam?

Das Material für beide Produkte könnte in Freital bei der BGH Edelstahl GmbH hergestellt worden sein.

Ich habe zu Weihnachten das Buch

BGH Edelstahlwerke – Perspektiven einer Unternehmensentwicklung

geschenkt bekommen.

Anlass der Herausgabe des Buches durch Ulrich Mignon war das 20-jährige Jubiläum des Kaufs der Sächsischen Edelstahlwerke Freital GmbH (zu DDR-Zeiten VEB Edelstahlwerke) durch die Firma Boschgotthardshütte O. Breyer GmbH (BGH) aus Siegen.

Weshalb sollten Sie dieses Buch lesen?

1. Es zeigt, mit welchem hohen persönlichen Einsatz der Unternehmer Rüdiger Winterhager ein mittelständiges Unternehmen in einer umkämpften Branche geführt und entwickelt hat.

Viele waren der Meinung, nur Großkonzerne hätten bei der Stahlherstellung noch einen Perspektive. Herr Winterhager hat alle Kritiker widerlegt.

Auf Grundlage einer eigenen Analyse (nicht durch teure Berater) hat er eine Unternehmensvision entwickelt. Diese hat er konsequent und mit hohem persönlichen Risiko umgesetzt.

In der öffentlichen Wahrnehmung ist es leider Trend, Unternehmer, Manager und in den letzten Jahren auch noch Banker gleichzusetzen. In der Regel wird mit einem negativen Unterton berichtet.

Herr Winterhager ist eine Persönlichkeit, die wie viele mittelständische Unternehmer dieses Urteil nicht verdient haben. Ohne sein Unternehmertum gäbe es die 800 Arbeitsplätze in Freital nicht mehr. Die 5 anderen Standorte der Unternehmensgruppe wären wahrscheinlich ebenfalls geschlossen worden.

Das er nicht nur Unternehmer, sondern auch Mensch ist, zeigt das Zitat:

„Mein Vater hätte es mir nie verziehen, …, wenn ich mich nach der Wiedervereinigung im Osten nicht engagiert hätte.“ S. 139

2. Wer das Buch aufmerksam liest, findet viele Beispiele, wie im praktischen Wirtschaftsleben ein Betrieb erfolgreich zu führen ist.

Mein persönliches Empfinden beim Lesen war: Das Buch sollte Pflichtlektüre im BWL-Studium werden. Wahrscheinlich könnte man damit so manche trockene Vorlesungsstunde einsparen.

Bei der Übernahme des Unternehmens war der Verlust größer als der Umsatz(!!). Mit harter täglicher Arbeit am konkreten Problem hat Rüdiger Winterhager zusammen mit allen Beschäftigten eine wirtschaftlich gesunde Unternehmensgruppe geschaffen.

Durch eine intelligent strukturierte Aufteilung der Geschäftsfelder und Standorte können Marktschwankungen ausgeglichen werden.

In vielen technologischen Bereichen gehört man auch im internationalen Vergleich zu den Marktführern. Neudeutsch nennt man so ein Unternehmen „Hidden Champion“.

3. Am konkreten Beispiel wird die Umbruchszeit von der Plan- zur Marktwirtschaft dargestellt.

Mit dem Abstand der 25 Jahre und ohne von persönlichen Umstellungsproblemen abgelenkt, ist mir nochmal bewußt geworden, wie schwer dieser Prozeß war.

Wie tief er ins Leben vieler Menschen eingegriffen hat.

Wie Menschen mit Ihren Entscheidungen und Anstrengungen Weichen für kommende Jahrzehnte gestellt haben.

Aber auch über die Rolle von Politik und Treuhand habe ich viel Neues erfahren. Dazu wieder ein Zitat (S.114 ff):

„Wer sich am „Aufbau Ost“ beteiligen wollte, konnte auf zwei sehr unterschiedlichen Wegen ans Ziel gelangen, auf einem „Königsweg“ oder auf einem „Trampelpfad“.“

Es folgt die Beschreibung des „Königsweges“ am Bespiel „Opel Eisenach“ – ein neues Werk auf grüner Wiese, viele Fördergelder, eine neu zusammengestellte junge Mannschaft usw.

Die Sächsische Edelstahlwerke Freital GmbH (SEW) mussten den „Trampelpfad“ nehmen – verschlissene Anlagen, erster Sanierungsversuch durch Großkonzern gescheitert, weiterhin massiver Stellenabbau, statt Förderung nur viel Bürokratie

4. In meiner Rubrik „Alte Industrien“ möchte ich zeigen, dass viele dieser Industrien gar nicht so alt sind.

Das Buch „BGH Edelstahlwerke“ reiht sich gut in diese Zielstellung ein. Es zeigt, wie sexy das Thema „Edelstahl“ sein kann.

Neue Produkte erfordern nicht nur neue Software. Neue Produkte verlangen ständig nach neuen Stahlsorten mit bisher nicht realisierten Eigenschaften.

Wer sich der Werkstofftechnik zuwendet und auf Edelstähle spezialisiert, braucht nicht zu befürchten, vor der Rente sein Fachgebiet wechseln zu müssen.

Elektro-Ofen in Betrieb

Elektro-Ofen in Betrieb

Ich selbst hatte im August 2014 die Gelegenheit, dass Werk in Freital zu besichtigen. Ich kann mich noch gut an meine Gefühle erinnern, nur wenige Meter neben einem knisternden Elektro-Ofen mit 40t flüssigen Stahl zu stehen. Der Respekt vor dieser Naturgewalt mischte sich mit technischer Begeisterung.

Die Fotos in diesem Beitrag wurde auf dem Rundgang von Herrn Christian Trapp gemacht. Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals bei Herrn Trapp für die ausführliche Betriebsbesichtigung und die sehr anschaulichen Erläuterungen bedanken.

P.S. Soweit mir bekannt ist, stehen auch für dieses Jahr noch die Tore für engagierte Jugendliche weit offen, die nach einem Ausbildungsplatz suchen.

40t flüssiger Stahl

40t flüssiger Stahl

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