Dürfen die denn das?

Dürfen die denn das?

Dürfen die denn das?

Vielleicht haben Sie sich die Frage beim Studium der obigen Stellenanzeige gestellt?!

In meinem Artikel zur Einstellungsuntersuchung habe ich schon über zulässige/unzulässige Fragen bezüglich des Gesundheitszustandes geschrieben.

Gibt es darüber hinaus Grenzen, die der Gesprächspartner im Vorstellungsgespräch nicht überschreiten darf?

Bevor ich zu den Einzelheiten komme, meine Meinung vorab:

Nicht jede Frage, die Ihnen im ersten Moment unzulässig erscheint, wurde mit schlechter Absicht gestellt. Gehen Sie vom Positiven aus:

Wenn man Sie eingeladen hat, hat man Interesse an Ihrer Person. Nicht alle Teilnehmer an einem Vorstellungsgespräch sind „Personalprofis“. Man will Sie als Persönlichkeit kennenlernen und prüft nicht vor jedem Satz sämtliche rechtlichen Vorschriften.

Natürlich müssen Sie keine Fragen zu Ihren Privatleben beantworten. Aber ebenso verständlich ist der Wunsch, Sie als Person mit Ihren Interessen und Neigungen zu erleben. Im Artikel „Persönliches in Bewerbungsunterlagen – Booster oder Karrierekiller?“ habe ich das ausführlich beschrieben. Wenn Sie der Meinung sind, Ihre Gesprächspartner können davon erfahren, dann sprechen Sie auch mit Begeisterung darüber.

Übrigens: Haben Sie nicht vielleicht sowieso schon in Facebook & Co. darüber gepostet?

Solange Sie also das Gefühl haben, es besteht ein ehrliches Interesse an Ihrer Person und Sie empfinden das Gespräch als angenehm, bleiben Sie locker und charmant!

Sollten Sie jedoch zu einem potentiellen Arbeitgeber eingeladen worden sein, der den Bewerber noch als „hilflosen Bittsteller“ sieht, müssen auch Sie „andere Saiten aufziehen“.

Hier die Fakten:

Generell unzulässig sind Fragen:

  • zum Privatleben
  • zu sexuellen Neigungen
  • zur Familienplanung

Bei den allermeisten Arbeitgebern sind ebenso die Fragen nach

  • der Religion
  • der Parteizugehörigkeit
  • der Gewerkschaftszugehörigkeit

unzulässig!

Aber, und damit komme ich zur eingangs anhand der Anzeige gestellten Frage:

Es gibt die sogenannten Tendenzbetriebe, also Religionsgemeinschaften oder weltanschauliche Vereinigungen samt ihrer Einrichtungen. Diese dürfen im Vorstellungsgespräch Fragen zur politischen, gewerkschaftlichen oder konfessionellen Zugehörigkeit stellen.

Somit ist die Forderung nach der Kirchenzugehörigkeit in der Anzeige rechtmäßig und darf im Vorstellungsgespräch auch nachgefragt werden.

Auch wer z.B. in einer der Parteizentralen in Berlin nach einer Tätigkeit sucht, kann zu Recht nach seiner Parteizugehörigkeit gefragt werden.

Allen anderen Bewerbern empfehle ich dringend, im Vorstellungsgespräch politische Aussagen zu vermeiden.

Gerade die aktuelle Diskussion zum Thema Asyl hat zu einer sehr starken Polarisierung geführt und kann wahrscheinlich noch schneller als in der Vergangenheit dazu führen, dass sie von späteren Vorgesetzten abgelehnt werden.

Bei welchen Fragen gibt es noch ein „Ja – aber“?

Als zukünftiger Mitarbeiter haben Sie eine Offenbarungspflicht zu allen Informationen, die für das Arbeitsverhältnis wichtig sind.

  • So kann man Sie nach Vorstrafen fragen, wenn Sie sich für eine Laufbahn als Polizist oder Jurist bewerben.
  • Und ein zukünftiger Kassierer oder Bankangestellter muss auf die Frage nach persönlichen Schulden wahrheitsgemäß antworten.

Wie sollten Sie sich nun verhalten, wenn Ihnen offensichtlich unzulässige Fragen gestellt werden?

Denken Sie an meine einleitenden Sätze – hat Ihr Gesprächspartner wirklich vor, Ihnen zu schaden? Oder steht ein ehrliches Interesse gepaart mit Unerfahrenheit hinter der Frage?

Wollen Sie nichts preisgeben, habe Sie drei Möglichkeiten:

  1. Nicht antworten
  2. Mit einer (in diesem Fall berechtigten) Lüge zu antworten
  3. Auf die Unzulässigkeit der Frage hinzuweisen

Ihnen wird natürlich bewußt sein, dass die Wahl der Variante eins oder drei Ihre Erfolgschancen in der Regel vermindern werden.

Aber sehen Sie es positiv:

Machen Sie sich bewußt, ob es denn so schlimm wäre, von dieser Firma bzw. diesem späteren Vorgesetzten abgelehnt zu werden!? Wer hartnäckig auf unzulässigen Fragen besteht oder Sie für deren Nichtbeantwortung „abstraft“, wollen Sie bei diesem Mensch die nächsten Jahre Ihrer kostbaren Lebenszeit vergeuden?

Ich wünsche Ihnen immer angenehme und korrekte Gesprächspartner in Ihren Vorstellungsgesprächen!

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