Das Vorstellungsgespräch – Teil IV

Was verraten Ihre Stifte?

So nicht!

So nicht!

Mit dem Höhepunkt „Vorstellungsgespräch“ haben wir uns in den vergangenen Wochen schon recht ausführlich beschäftigt. Unsere fiktive Situation ist jetzt so weit fortgeschritten, dass Sie sich auf dem Weg vom Wartebereich zum Besprechungszimmer befinden.

Welche letzten Reserven können Sie jetzt noch aktivieren, um den Tag zu einem Erfolg werden zu lassen?

Der Weg zum Besprechungszimmer

Sollte Ihre Begleitperson Sie nicht ansprechen, eröffnen Sie den Smalltalk. Nutzen Sie den kleinen Plausch für Ihre Zwecke, sprechen Sie nicht über das Wetter oder die Anreise.

Viele Unternehmen haben im Eingangsbereich Produktmuster ausgestellt. Nehmen Sie darauf Bezug und demonstrieren Sie so Ihr Interesse und gute Vorbereitung.

Wenn Sie sich zur künstlerischen Ausgestaltung äußern, dann seinen Sie vorsichtig mit Urteilen. Geschmäcker sind oft sehr verschieden. Sie sollten in der Kunstsparte sattelfest sein. Geht das Gespräch tiefer, könnten Sie plötzlich als Amateur erscheinen.

Die Begrüßung im Besprechungszimmer

Über die Bedeutung des ersten Eindruckes hatte ich schon im ersten Artikel zu den Vorstellungsgesprächen geschrieben. Konzentrieren Sie sich besonders auf die Namen der Personen, die man Ihnen vorstellt.

Es hilft, wenn Sie sich anschließend die Visitenkarten in der richtigen Reihenfolge hinlegen.

Die Platzwahl

Selten werden Sie die Möglichkeit haben, den Platz frei zu wählen.

Da Sie die Hauptperson im Vorstellungsgespräch sind, werden Sie in der Regel einen zentralen Platz zugewiesen bekommen.

Alle schauen Sie auf Sie!

Aber das hatten Sie sich ja gewünscht.

Haben Sie entgegen aller Erwartungen die Möglichkeit der Platzwahl, wählen Sie das Fenster im Rücken. So können Sie besser die Reaktionen Ihrer Gesprächspartner beobachten. Ihre Mimik hingegen ist im Gegenlicht schwerer zu beurteilen.

Getränke

Da man ein guter Gastgeber sein will, wird man Sie nach Ihren diesbezüglichen Wünschen fragen. Meist steht eine Auswahl auf dem Tisch.

Nehmen Sie auf alle Fälle Wasser an. Erstens ist es gut, im Laufe der Unterhaltung seine Stimmbänder befeuchten zu können. Einen weiteren Grund sollten Sie aber auch nicht unterschätzen –  Sie wirken offener, wenn Sie etwas annehmen. Bescheidenheit ist hier fehl am Platz.

Sofern die Situation es ermöglicht, lassen Sie sich bedienen. Ich habe schon manchen Bewerber erlebt, dessen Nervosität man an klappernden Kaffeetassen ablesen konnte.

Stehen Kekse oder andere Snacks bereit, sollten Sie darauf verzichten. Es besteht die Gefahr, sich zu verschlucken. Wenn Sie dann nach Atem ringen, geben Sie keine souveräne Figur ab. Auch können Sie mit vollem Mund schlecht auf spontane Bemerkungen reagieren.

Ihr „Arbeitsplatz“

An dieser Stelle kommen wir zur Auflösung der Überschrift:

So wie Sie sich an Ihrem Platz einrichten, geben Sie unbewusst viele Informationen zu Ihrem Charakter und Ihren Arbeitsstil.

Ich nehme doch an, Sie wollen als eine zielstrebige und organisierte Persönlichkeit erscheinen?

Daher:

  • Sie haben einen ordentliche Schreibmappe
  • Sie schreiben auf neutralen Papier (keine Werbung, schon gar kein Firmenpapier)
  • Sie nutzen neutrale Schreibgeräte (keine Werbekugelschreiber, stumpfe Bleistifte)
  • Sie haben noch einen kompletten Satz Bewerbungsunterlagen mit
  • Und Sie haben die Stellenausschreibung und den Schriftverkehr bei sich

Dies alles ist sortiert und abgeheftet, Sie finden sich mühelos in Ihren Unterlagen zurecht.

Ihr Verhalten

Versuchern Sie keinen Rolle zu spielen – seien Sie natürlich:

  • Bemühen Sie sich locker zu bleiben
  • Schauen Sie beim Sprechen offen in die Runde
  • Sehen Sie in wechselnder Reihenfolge alle Gesprächsteilnehmer an
  • Fixieren Sie nicht nur eine Person
  • Spielen Sie nicht nervös mit Ihrem Kuli (gern bricht dann noch im falschen Moment der Clip ab)
  • Sprechen Sie langsam und deutlich
  • Hören Sie „aktiv“ zu
  • Treten Sie konzentriert auf und „wühlen“ nicht in Ihren Papieren
  • Machen Sie sich hin und wieder Notizen

Werden Sie aufgefordert, für Erläuterungen eine Tafel zu nutzen, dann wenden Sie nur beim Schreiben den Anwesenden den Rücken zu. Ihre Erläuterung machen Sie wieder zum Publikum hin.

Zeiteinteilung

In den meisten Fällen liegt die Zeiteinteilung nicht in Ihrer Hand. Trotzdem sollten Sie den Moderator darin unterstützen, den „Fahrplan“ einhalten zu können. Richten Sie sich mit dem Umfang Ihrer Ausführungen nach der zur Verfügung stehenden Zeit.

Geht das Gespräch länger als angekündigt, ist dass in dem meisten Fällen ein sehr gutes Zeichen. Dann sind Sie in der Regel als Kandidat so interessant, dass man eine Verschiebung des Zeitplanes gern in Kauf nimmt.

Bietet man Ihnen dann noch einen Betriebsrundgang an, dann sind Ihre Chancen noch besser. Nehmen Sie dieses Angebot unter allen Umständen an, auch wenn Sie Ihre Rückreise umplanen müssen!

Es steht Ihnen aber auch gut zu Gesicht, wenn Sie zum Abschluss eines angenehmen Vorstellungsgespräches nach der Möglichkeit einer Betriebsbesichtigung fragen.

Verzweifeln Sie aber nicht, wenn man Ihren Wunsch ablehnt. Meist liegt der Grund an fehlender Zeit (der nächste Bewerber wartet) oder ist in Geheimhaltungsbestimmungen zu suchen.

Mit den 4 Beiträgen zu den Vorstellungsgesprächen  haben ich meine Erfahrungen aus vielen hundert Interviews der letzten 12 Jahre mit Ihnen geteilt.

Jetzt können Sie eigentlich nicht mehr scheitern.

In der nächsten Woche schreibe ich über die Frage, vor der sich viele Kandidaten fürchten – „Was wollen Sie verdienen?“

2 thoughts on “Das Vorstellungsgespräch – Teil IV

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.