Das Vorstellungsgespräch – Teil II

Pause im Vorstellungsgespräch

In der vergangenen Woche hatten sich die Teilnehmer unseres fiktiven Vorstellungsgespräches eine kleine Auszeit genommen und sich frische Getränke genehmigt.

Für Sie als geschickten Bewerber eine hervorragende Gelegenheit, tief durchzuatmen und sich die beteiligten Personen etwas genauer anzusehen.

In der Regel umfasst die Gruppe der interviewenden Personen zwei bis drei Beteiligte.

1. Das ist zum einen der Vertreter der Personalabteilung, der den Vorgang bearbeitet.

Meist war er der Partner in Ihrem Telefoninterview. Diese Person ist also keine Unbekannte mehr für Sie.

Ich verrate Ihnen ein kleines Geheimnis!

Mit dieser Person haben Sie Ihren ersten Verbündeten im Unternehmen. Der Personalreferent muss in diesem Gespräch die Richtigkeit seiner Vorauswahl bestätigen. Liegt der Referent mit der Einschätzung des Kandidaten vollkommen daneben, fällt das auf ihn zurück. Passiert das mehrfach, steht seine fachliche Qualifikation für die Personalauswahl in Frage.

Achten Sie also auf die Bälle, die der Referent Ihnen eventuell zuspielt. Wenn es passt, lassen auch Sie geeignete Inhalte aus den Vorgesprächen einfließen, um zu demonstrieren, wieviel Übereinstimmung schon bestand.

2. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird Ihr späterer Vorgesetzter den Vorstellungstermin wahrnehmen.

Für ihn die Gelegenheit, schon zu einem frühen Zeitpunkt eine Fehlbesetzung der Position zu vermeiden.

Unwillkürlich kontrolliert er damit die Qualität der Arbeit der Personalabteilung. Beobachten Sie daher genau, wie sich die Stimmung zwischen ihm und dem Personalreferenten entwickelt.

Wenn Sie nicht für die Position ausgewählt werden, ist das aber nicht zwangsläufig einer Fehlauswahl der Personalabteilung zuzuschreiben. Es gibt (leider) auch den „Nasenfaktor“. In meinem Artikel „Wie tickt die andere Seite“ habe ich schon darüber geschrieben. Wie in allen zwischenmenschlichen Beziehungen kann es auch in der Arbeitswelt vorkommen, dass man einfach nicht zueinander findet. Ihre fachliche Qualifikation, Ihre Führungserfahrung, dass alles kann stimmen. Aber der Entscheider merkt, dass er nicht gut mit Ihnen zusammenarbeiten können wird.

Dieses Gefühl kann sich aber auch auf Ihrer Seite einstellen. Sofern Sie die Freiheit der Wahl haben, werden auch Sie ein Vertragsangebot ablehnen, wenn Sie denken, Sie werden keine gute Beziehung zu Ihrem Vorgesetzten aufbauen können.

Zurück zum Gesprächskreis:

Da viele Unternehmen mit knappen (auch personellen) Ressourcen arbeiten, sind große Auswahlkommissionen selten.  Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass Sie die Größe der Kommission mit in Ihre Beurteilung des Unternehmens einfließen lassen können.

Sind Sie ein Typ, der kurze Wege und klare Entscheidungen liebt, sollten Sie ein zu großes Gremium kritisch betrachten:

  • Waren die Personen alle nötig?
  • In welcher Funktion waren Sie da?
  • Haben Sie sich überhaupt aktiv beteiligt?

Es gibt aber auch nachvollziehbare Gründe für die Teilnahme weiterer Personen:

A) Das sind zum einen die Fachspezialisten.

Diese wird man hinzuziehen, wenn der Vorgesetzte nicht das für die Position geforderte Detailwissen besitzt. Das ist kein Makel. Der Vorgesetzte soll ja am Unternehmen (der Abteilung…) arbeiten und nicht in dieser Einheit.

Daher sichert er mit der Beteiligung des Spezialisten die kompetente Einschätzung Ihrer fachlichen Qualifikation ab.

Leider sind gerade die Champions unter den Ingenieuren häufig nicht die größten Kommunikationsfreude. So können Sie nur schwer einschätzen, welchen Eindruck Sie bei Ihren Fachkollegen machen.

Sie müssen immer damit rechnen, dass diese Menschen alles extrem genau nehmen und auch schon im Vorstellungsgespräch ins Detail gehen wollen.

Mein Rat an Sie:

Bleiben Sie ruhig, signalisieren Sie Respekt vor den Fachkenntnissen und versuchen Sie, den Fragenden etwas „aufzutauen“. Achten Sie genau auf auf die gestellten Fragen und antworten Sie so präzise wie möglich.

Bei den Spezialisten gilt noch mehr als im allgemeinen Teil des Interviews: Was Sie nicht wissen, lassen Sie weg! Wenn es sehr wichtig ist, wird es sowieso nachgefragt.

 

B) Zu begrüßen ist es, wenn schon spätere Kollegen am Vorstellungsgespräch teilnehmen.

Lädt man diese mit ein, wird man sie nach dem Gespräch fragen, wie sie den „Nasenfaktor“ einschätzen. Verständlich, wer stellt schon gern einen neuen Mitarbeiter ein und muss später „Feuerwehr“ spielen, wenn es im Team knirscht.

Diesen Gesprächsteilnehmern begegnen Sie am besten so natürlich wie möglich. Wenn Sie hier „eine Rolle“ spielen, tun Sie sich selbst keinen Gefallen. Hören Sie lieber auf Ihr eigenes Bauchgefühl. Wenn Ihnen das sagt, dass es Probleme geben könnte, dann nehmen Sie lieber von Ihrer Seite her Abstand von einer Vertragsunterschrift.

C) Auch ein Vertreter des Betriebsrates könnte zu Ihrem Vorstellungsgespräch eingeladen sein.

Zur Rolle, den Rechten und Pflichten der Betriebsräte werde ich zu einem späteren Zeitpunkt noch einen eigenen Artikel veröffentlichen.

Wenn ein Personaldienstleister mit der Bewerbersuche und -auswahl beauftragt wurde, ist in aller Regel ein Vertreter dieses Unternehmens anwesend.

Sinnvollerweise ist das meist die Person, die Sie durch den Prozess der Vorauswahl begleitet hat. Meist übernimmt diese Person dann die Rolle des Moderators.

Auf die Vertreter der Personaldienstleister trifft in noch stärkerem Maße meine Einschätzung zu, die ich Ihnen bezüglich der Rolle der Personalreferenten gegeben hatte: Sie sind Ihre Verbündeten im Gespräch. Mit der Qualität ihrer Auswahl entscheiden sie über den Abschluss des aktuellen Auftrages. Nur bei Erfolg können Sie mit Nachfolgeaufträgen rechnen.

Nachsatz

In meinem Beitrag zum Jahresauftakt hatte ich über Konzentration geschrieben und hatte mir ein Limit für die Anzahl der Worte gesetzt. Letzte Woche ist der Artikel schon wieder sehr ausführlich geraten. Ich fürchte, viele von Ihnen haben nicht die Zeit, mal schnell Artikel mit 1200 Wörtern und mehr am Bildschirm zu lesen.

Daher habe ich mir jetzt das Limit von 800 Worten für einen Wochenbeitrag gesetzt. Die habe ich vor diesem Nachsatz erreicht.

Da ich Ihnen immer hochwertigen Inhalt anbieten möchte, werde ich zu komplexe Themen ab sofort lieber aufteilen.

In diesem Sinne bis zur nächsten Woche!

-Scheitern ist keine Option-

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.